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Volksbühne Berllin
Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin
Kartentelefon
+49 (0) 30-240 65 777
| Titel | Kaprow City |
|---|---|
| Autor | Christoph Schlingensief |
| Inszenierung | Christoph Schlingensief |
| Bühnenbild | Thekla von Mülheim und Tobias Buser |
| Kostüm | Aino Laberenz |
| Effekte | Meika Dresenkamp |
| Darsteller | Jenny Elvers-Elbertzhagen, Bernhard Schütz, Klaus Beye, Horst Gellonek, Kerstin Grassmann |
| Termine | 01./02./19./20./Oktober 2006 |
Inhalt
Der Tod der Lady Di
An der Berliner Volksbühne setzt Christoph Schlingensief mit »Kaprow City« seine Reihe der »Animatographen« fort. Ausgangspunkt für die Gestaltung der 18 ineinander geschachtelten Räume ist der Unfalltod Lady Dianas im Jahr 1997. Die von Jenny Elvers-Elbertzhagen dargestellte Prinzessin agiert im Zentrum der begehbaren Installation. Dem Motto des amerikanischen Künstlers Paul Thek folgend, dass Kunst »ständige Wiederbelebung« sei, besteht »Kaprow City« größtenteils aus den geläufigen Schlingensief-Utensilien: darunter Wagner-Devotionalien, verwesende Hasen und allerlei Nazi-Kitsch.
Besonderheit
Huldigung
»Kaprow City« ist eine Huldigung an den im April dieses Jahres verstorbenen Allan Kaprow. Der 1927 in Atlantic City geborene Aktionskünstler gilt als Begründer des »Happening« als Kunstform. Nach ersten Versuchen hat er 1959 in der New Yorker Reuben Gallery zum ersten Mal eine aus 18 Happenings in sechs Teilen bestehende Aktion initiiert, bei der das Publikum als aktiver Bestandteil in das Kunstwerk einbezogen war. Christoph Schlingensief lernte Kaprow Ende der 1990er Jahre in Bochum kennen und zog aus dieser Begegnung wichtige Impulse für sein weiteres Schaffen.
Kritikenspiegel
Erkenntnislosigkeit
Vor allem gelangweilt, von der fehlenden Qualität des Dargebotenen jedoch kaum überrascht zeigt sich das Feuilleton in Bezug auf Christoph Schlingensiefs neue Installation. Einzig Bert Rebhandl (Der Standard) lobt das Gesehene als »einen Versuch über das Theater …, der den großen Medienexperimenten der Volksbühne ebenbürtig ist«. Petra Kohse (FR) hingegen fehlte bei der »in einen Trash-Zusammenhang« gestellten, Karussell gewordenen Wiederkehr des Banalen« das »Angebot zum Erkenntnisgewinn.« Dass es Schlingensief um einen solche nie ging, bemerkt Irene Bazinger (FAZ): »Wichtig ist für ihn - völlig reklameorientiert - nur, was vorher abgeht. Da läßt der PR-Profi seit Jahren geschickt Boulevardpresse wie Honoratioren 'Skandal' juchzen, auf daß ihm die Fördermittel bloß so zuwachsen - während die Resultate seiner Cleverness von der erschöpften Öffentlichkeit meist einfach abgenickt werden« - auch oder gerade dann, wenn wieder einmal »Wirrwarr, Andeutungen und reiner Dilettantismus« zu sehen sind. Einen gehörigen Anteil hierzu leistete auch die Prinzessin Diana verkörpernde Jenny Elvers-Elbertzhagen, laut Peter Laudenbach (SZ) als »Neuzugang in Christoph Schlingensiefs Kuriositäten-Kabinett … ein Prachtexemplar im Menschenzoo dieses Doktor Mabuse der Happening-Künste.« Zusammenhängende Szenen fehlten Michael Laages (DLF) fast gänzlich in dem puren Bühnenchaos, das »zusammengemischt und -geknetet wie etwa eine Rumkugel« wirke. Mit dieser bereite Schlingensief der Hauptstadtkultur laut Reinhard Wengierek (Die Welt) einen wahren »Tiefpunkt«, der ihn bilanzieren lässt: »Ach, schade um den Abend … Alles Schlingensief-Schwindel. Sein raffiniert unsensationell geheißenes Spektakel … blieb entsetzlich ruhig. Schlimmer noch, wahnsinnig langweilig.«
Hintergrund
Filmprojekt
»Kaprow City« ist ein mehrteiliges Projekt, dessen zweiter Teil im Oktober im Vorfeld der Frieze Art Fair in London zu sehen sein wird und darauf noch einmal nach Berlin zurückkehrt. Mit dieser Vorgehensweise folgt Schlingensief ganz der Auffassung Kaprows, der einst betonte: »Das nächste Kunstwerk ist noch nicht geschaffen und immer erst im Werden.« Um diesen Prozess zu dokumentieren, wird das gesamte Vorhaben filmisch begleitet. Die in der Installation präsentierten Szenen aus dem Leben von Lady Diana sollen die Basis für einen Film über die »Prinzessin der Herzen« werden. Auch in diesem wird Jenny Elvers-Elbertzhagen die Hauptrolle spielen. Im Februar 2007 soll er fertig gestellt sein. Für die Präsentation eines Rohschnitts hat Schlingensief die beiden Prinzen William und Harry medienwirksam dazu eingeladen, seine Version der letzten Stunden ihrer Mutter in einer Londoner Galerie in Augenschein zu nehmen.
Ähnliche Werke
Wie mittlerweile fast jede seiner Aktionen sorgte auch Schlingensiefs Berliner Installation für massive Aufregung im Vorfeld. Um die gewünschte Medienaufmerksamkeit zu sichern, forcierte er nicht nur die Berichterstattung darüber, dass er die sterbende Lady Diana zu zeigen gedenke, sondern platzierte auch eine Fotomontage auf seiner Website, die die britische Königin mit zum Hitlergruß erhobenen Arm zeigt. Für Aufregung sorgte eine seiner Installationen unlängst auch in Leipzig. Nach dem Protest eines Vaters haben Mitarbeiter des dortigen Jugendamtes den im Leipziger Museum der Bildenden Künste ausgestellten »Animatographen« für Jugendliche unter 16 Jahren gesperrt. Unter anderen zeigt dieser eine Performance, in der Hitler und Stalin gemeinsam masturbieren.



