22. September 2006 Ausgabe 38/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kunst & Ausstellung

»Francis Bacon - Die Gewalt des Faktischen«

Große Schau des englischen Ausnahmekünstlers im Düsseldorfer K20

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  VG Bild-Kunst, Bonn  
© VG Bild-Kunst, Bonn

 

Kunstsammlung K20

Grabbeplatz 5
D-40213 Düsseldorf

Telefon
+49(0)211 - 8381130

Info

Titel Francis Bacon - Die Gewalt des Faktischen
Läuft noch bis 07. Januar 2007
Öffnungszeiten Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr
Preise 6,50 Euro / 5,00 Euro ermäßigt
Katalog Francis Bacon - Die Gewalt des Faktischen, Hrsg. Armin Zweite in Zusammenarbeit mit Maria Müller, 256 Seiten, 227 farbige Abb.
Preis Katalog 28 Euro

Inhalt

Bewegte Körper

Mit seinem Werk nimmt der Maler Francis Bacon in der Kunst nach 1945 eine besondere Rolle ein. Er malte hauptsächlich ihm bekannte Menschen und hielt ihre Kämpfe, ihre Windungen, ihre Erscheinung in kraftvoll dramatischer Weise fest. Die Kunstsammlung NRW widmet dem Künstler im Düsseldorfer K20 jetzt eine retrospektiv angelegte Schau und zeigt rund sechzig Werke. Neben Gemälden und Triptychen werden auch Arbeitsmaterialen und -vorlagen ausgestellt, etwa Fotografien und Skizzen, die aus dem Atelier von Francis Bacon stammen.

Besonderheit

Kunstfest

Die Stadt Düsseldorf richtet dieses Jahr zum ersten Mal die Quadriennale aus - ein Fest der Kunst, das mit fünf Millionen Euro von der Stadt gesponsert wird. Museen und Institutionen konzipierten unter dem Motto »Der Körper - seine Bilder, seine Rollen« ein Kulturereignis, das über das ganze Jahr verteilt mit mehreren Ausstellungen, Installationen und Preisen aufwarten kann. Zu den Höhepunkten dieses Kunstfestes gehört neben den Meisterwerken Caravaggios und den Videoinstallationen Bruce Naumanns auch die Francis Bacon gewidmete Retrospektive.

Kritikenspiegel

Faszinierend

Viel Lob erhalten Ausstellung und die im K20 präsentierten Werke des Künstlers von den Rezensenten. So kommentiert etwa Manfred Schwarz (SZ): »Die Düsseldorfer Ausstellung lässt neben dem Moralisten vor allem den überreichen, den wirklich überwältigenden Maler erleben.« Beeindruckt fährt er fort: »Seine malerische Spannkraft bietet ein schier unerschöpfliches Faszinosum.« Gleichwohl erkennt Schwarz Probleme aufgrund der immer wiederkehrenden Retrospektiven: Mit »der großen Münchener Retrospektive vor zehn Jahren deckt sich die Düsseldorfer weitestgehend.« Hans-Peter Riese (FAZ) spricht gar von einem »Ermüdungseffekt«, mit dem das Publikum bei einer Bacon Ausstellung zu rechnen hat, bemerkt aber auch: »Die enge thematische Bandbreite, die oft als Redundanz wahrgenommene Wiederholung, in den deformierten Körpern, den ineinander verknäulten Leibern ... erfordern unermüdlich Neugier. Nur so ist die Entwicklung innerhalb des Werkes zu erkennen und richtig zu werten. Die Düsseldorfer Ausstellung wird dem gerecht. Die beiden Ausstellungshallen wurden nicht überfüllt und innerhalb der chronologischen Hängung wurden thematische Schwerpunkte gesetzt.« Als einen »besonderen Beitrag zum diesjährigen Quadriennale Thema 'Körper'« beschreibt Katja Behrens (taz) die Schau. Über die Exponate selbst schreibt sie: »Die Farben sind düster, das ganze Bild ist eine Konfiguration menschlichen Leidens und Wehklagens von Einsamkeit. Die Farbe wirkt an manchen Stellen offen und durchlässig. An anderen wieder verkleistert sie die Figur, scheint jede Anmutung von Bewegung zu hemmen, ja den Körper in seiner Verrenkung zu fixieren.« Thomas Rautenberg (ttt) lobt schließlich: »Museen und private Sammler haben ihr Bestes - Bacons Bestes nach Düsseldorf geschickt. 14 Jahre nach seinem Tod wirkt Bacons Kunst wie eben erst gemalt.«

Biografisches

Francis Bacon

1909-1992, ist einer der wichtigsten englischen Maler des 20. Jahrhunderts. Er wuchs in Dublin auf, verließ aber bereits mit sechzehn Jahren im Streit sein Elternhaus. Ende der 1920er Jahre lebte er zwei Jahre in Berlin und Paris. Dort wurde sein Interesse für die Malerei durch eine Picasso-Ausstellung geweckt. Er ging zurück nach London, erste Zeichnungen entstanden. Erst ab 1944 jedoch widmete er sich ganz der Kunst. Als Inspirationsquelle für seine Arbeit dienten ihm Reproduktionen von Picasso, Velasquez und anderen, Filmszenen und Zeitungsausschnitte. Sein Hauptmotiv war der Mensch, dessen Leib und dessen Fleischlichkeit. Die Figuren ringen und winden sich auf der Leinwand, Bacon scheint dabei ihre inneren Bewegungen malerisch festzuhalten. Schon zu Lebzeiten widmeten ihm die großen Museen der Welt Ausstellungen: das New Yorker Guggenheim, die Tate Gallery in London und der Grand Palais in Paris.

Ähnliche Werke

Seine Werke malte Francis Bacon über 30 Jahre lang in seinem kleinen Atelier im Londoner Stadtteil South Kensington. Dort sammelte er alles, was ihn inspirierte - es herrschte Chaos, das Bacon nach eigener Aussage zum Malen brauchte. John Edwards, der einzige Erbe Bacons, übergab 1998 dieses Atelier der Hugh Lane Gallery in Dublin. In einer einzigartigen archivarischen Meisterleistung wurde der Raum vermessen, Papiere und Schnipsel an ihren Plätzen fotografiert, damit man die rund 7000 Objekte später originalgetreu wiederaufbauen konnte: Bücher, lose Blätter, Fotografien, Zeichnungen und Arbeitsmaterialen. Margarita Cappock lieferte 2005 das Buch zu Bacons Malerreich: »Francis Bacon. Spuren im Atelier des Künstlers«.

cd