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Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1
50667 Köln
Kartentelefon
+49(0)221 - 221-26 165
| Titel | Das achte Feld - Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960 |
|---|---|
| Kuratoren | Frank Wagner, Kaspar König |
| Läuft noch bis | 12. November 2006 |
| Öffnungszeiten | Di-So 10-18 Uhr, jeden 1.Freitag im Monat bis 22 Uhr |
| Preise | 7,50/5,50 Euro ermäßigt |
| Katalog | Das achte Feld-Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960, Hatje Cantz Verlag, 304 Seiten, ISBN: 3-7757-1829-X |
| Preis Katalog | 39,80 Euro |
Inhalt
Kunst und Sexualität
Die Frage nach der Berechtigung von Normen und deren Durchbrechung sind oft Gegenstand der Kunst. Allein der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Sexualität und ihren unterschiedlichen Spielarten widmet jetzt das Museum Ludwig eine Ausstellung. So findet man verwischte Grenzen zwischen Mann und Frau, hetero- und homosexuelle Themen, Geschlechter- und Rollenverwandlungen. Über 260 Werke machen Lust und Elend, Marginalisierung und andersartige Begehren in künstlerischen, sozialen und politischen Kontexten anschaulich.
Besonderheit
Titel und Plakat
Der Zug des Bauern auf das achte Feld bedeutet im Schach die Verwandlung vom Schwachen zum Starken, vom Bauern zur Dame. Dieses Bild wird bei dieser Schau als Metapher für die Geschlechterwandlung und den Rollentausch verwendet. Ein wenig provokativ thematisierte dies auch das Ausstellungsplakat und wurde von den Kunstoberen der Stadt Köln zensiert: Zu sehen war eine Fotografie, die den Blick unter den Rock eines Mannes zeigt. Sein unbekleidetes Geschlecht konnte man aber - trotz aller Aufregung - wegen des Ausstellungstitels nicht erkennen.
Kritikenspiegel
Überzeugend, manchmal sperrig
Die Rezensenten hat diese Schau überzeugt, auch wenn sie nicht immer hundertprozentig zufrieden waren. Eckhard Fuhr (Die Welt) hat »eine Menge guter, interessanter Kunst« gesehen, aber auch »eine Menge Trash«. Als »sperrig, bedeutungsschwer und wenig lustvoll« beschreibt Fuhr die Inszenierung der Ausstellung. »Sie ist keine Freakshow, kein Erotikmuseum, kein Beitrag zur Geschichte der Emanzipation sexueller Minderheiten, keine kunstgeschichtliche Lehrschau. Aber sie ist von allem etwas, und folglich kann und muss der Besucher den Objekten gegenüber das entsprechende Repertoire von Haltungen einnehmen: voyeuristische Neugier, Lust am Gruseligen, Empathie, Lernbereitschaft.« »Überzeugend« fand dagegen Elke Buhr (FR) die museale Aufarbeitung, auch wenn »lesbisches Leben und lesbische Ästhetik in dieser Ausstellung … längst nicht so prominent ausgeleuchtet [werden] wie die Inszenierung der Schwulen.« Was Hans-Joachim Müller (FAZ) als »Laborblick auf Homoerotik und Transsexualität« bezeichnet, wird in der Sendung Kulturzeit (3sat) lobend erwähnt: »Obwohl sie sich weit in die für gewöhnlich ins Schummerlicht getauchte Welt von Homoerotik, Transsexualität und Travestie vorwagt, bleibt die Auswahl vergleichsweise dezent, die künstlerische Qualität stets gewahrt.« Magdalena Kröner (taz) lobt: »Im Aufzeigen der Leerstellen, der Momente des Kollapses, wenn sich das Begehren am Raster des gesellschaftlich Akzeptierten bricht, aufreibt oder entzündet, liegt die Kraft dieser Ausstellung.« Und doch tadelt sie das Fehlen der Pornografie: »Als Bild- und Wunschmaschine durchdringt sie längst wirkungsvoll die Felder der Hochkultur und böte gerade in ihren politischen Unkorrektheiten jede Menge Material, zumal als Ideengeber der Kunst.»
Hintergrund
Sexuelle Revolutionen
Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Sexualität zieht sich wie ein roter Faden durch das 20. Jahrhundert. Angefangen bei Sigmund Freud, der die These der infantilen Sexualität propagierte, nach der ein Kind bis zur Pubertät verschiedene sexuelle Phasen durchlebe. Für die Frauen brachte in den 1960er Jahren die neu eingeführte Antibabypille mehr Kontrolle und damit mehr Freiheit - in jeglicher Hinsicht. Die Auseinandersetzung der 68er-Generation mit gesellschaftlichen Normen stellte auch die Moralvorstellungen über Sexualität in Frage: In Kommunen und Wohngemeinschaften wurde die »freie Liebe« gelebt. Und in der Emanzipation der Gleichgeschlechtlichen spielt die »Stonewall-Rebellion« von 1969 eine bedeutende Rolle. Homosexuelle rebellierten damals mehrere Tage lang in der Christopher Street in New York gegen die gewaltsamen Polizeiübergriffe auf »ihre« Lokale.
Weitere Informationen
Die Kölner Schau »Das achte Feld« ist - so betonen die Kuratoren Frank Wagner und Kaspar König - die erste große Ausstellung, die sich umfassend den unterschiedlichsten Spielarten der Sexualität auf breitem Raum widmet. Auf wissenschaftlicher Ebene setzt sich die amerikanische Philosophin Judith Butler (*1956) mit dem Thema Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft auseinander. In ihrem einflussreichen Buch »Das Unbehagen der Geschlechter« (deutsche Erstausgabe 1992), das im Kontext des feministischen Diskurses steht, warf sie die These auf, dass das soziale Geschlecht unabhängig vom biologischen sei und Begriffe wie »männlich« und »weiblich« aufgrund von Handlungen und Prägungen entstünden.



