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Radialsystem V
Holzmarktstraße 33
10243 Berlin
| Titel | Radialsystem V - New Space For The Arts In Berlin |
|---|---|
| Gebäude | eines der ersten Pumpenwerke von Berlin |
| Architekt | Gerhard Spangenberg |
Inhalt
Pumpwerk
Das Radial V ist eines der ersten Pumpwerke, das 1880 in Berlin als Teil eines innovativen Systems zur Stadtentwässerung gebaut wurde. Seit seiner endgültigen Außerbetriebnahme steht der Gründerzeitbau unter Denkmalschutz. Für den Gebäudetorso entwickelte der renommierte Berliner Architekt Gerhard Spangenberg ein Konzept, das die historische Substanz mit einem modernen Baukörper verbindet. Als modernes Kulturzentrum beherbergt das »Radialsystem V« zwei Veranstaltungshallen mit 800 und 400 Plätzen, drei Studios, Foyer, Lounge, Restaurant, Verwaltungstrakt und eine Terrasse.
Besonderheit
Alt und Neu
Gänzlich ohne staatliche Subventionen müssen die Betreiber des Radialsystems auskommen. Um ein genügend großes Publikum anzulocken, setzen sie auf ein dialogisches Prinzip, ausgehend von Musik und Tanz und verkörpert von den beiden zukünftigen Hauptnutzern des Komplexes: die Akademie für Alte Musik und die Tanztruppe von Sasha Waltz. Doch auch weitere Kulturgrößen zeigen Interesse: Künstler wie Matthew Barney und Hussein Chalayan, die Choreografen William Forsythe und Anne Teresa de Keersmaeker sowie die französischen Klavierschwestern Labèque.
Kritikenspiegel
Ein Highlight mit Fragezeichen
Spürbar beeindruckt ist das Feuilleton von dem neuen Berliner Kulturkomplex und ergeht sich vor allem in ausführlichen Beschreibungen des eindrucksvollen Baus von Gerhard Spangenberg. Kerstin Heidecke (Der Tagesspiegel) schildert: »anders als in der gestylten Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg oder dem weitgehend unsanierten Pfefferberg konzipierte der Architekt ein Ensemble aus Altem und Neuem...: Klinker, Putz und Zinnen neben moderner Glasfassade.« Schier begeistert von dieser Architektur ist Sabina Gundlach (Die Welt), die das »Radialsystem V« als »neues Highlight der freien Berliner Kunstszene« preist und die Idee lobt, »das Schmuckstück alter Industriearchitektur am nördlichen Spreeufer für kulturelle Nutzer auszubauen«. Sie schwärmt weiter: »Der neue Anbau aus Glas und Stahl umspielt ... den Klinkerbau von 1880 mit einer Leichtigkeit, die den Respekt des Architekten vor der Patina des Alten verdeutlicht... Schlichte Eleganz bestimmt auch das Innenleben des Gebäudes. Ob es die sieben Meter lange Theke aus geschliffenem Sichtbeton im Foyer des neuen Anbaus ist, die verzinkten silbernen Stahltüren zu den beiden großen Sälen oder die Heizkörper aus blankem Stahl - Spangenberg hat auch das kleinste Detail in den Räumen durchdacht.« Angesichts der nicht zu erwartenden öffentlichen Zuschüsse gibt Rolf Lautenschläger (taz) zu bedenken: »Ob das neue Kulturhaus lebt und überleben wird, wird zum einen vom Programm und den Zuschauern abhängen... Ob der Spagat Kunst und Kommerz so wie geplant funktioniert, muss ebenso abgewartet werden.« In jedem Fall jedoch - so Gabriela Walde (Die Welt) - ist das »Radialsystem V« ein »für Berlin mit seinen vielen Brüchen und noch immer unentdeckten Nischen« typischer Ort, »der Gegensätze vereint und anzieht, spannend für die Kunst«.
Biografisches
Gerhard Spangenberg
*1940 in Hamburg, ist einer der renommiertesten Architekten Deutschlands. Von 1961 bis 1968 studierte Spangenberg Architektur an der TU Berlin; seit 1968 ist er als freiberuflicher Architekt tätig. Stets wendet er sich in seinen Entwürfen gegen einseitig dogmatische Regeln, sucht immer nach einer individuellen, dem jeweiligen Problem angemessenen Lösung. Im Umbau des »Radialsystems V« zu einem Raum für die Künste äußert sich Spangenbergs Affinität für Bühnenräume. Schon Ende der 1970er Jahre war er konzeptionell an der Umbauplanung des Universumkinos zur Schaubühne am Lehniner Platz beteiligt. 2001 beauftragte ihn das Land Berlin mit der Zielplanung zur Grundinstandhaltung und Erweiterung der Staatsoper Unter den Linden. Vor allem in Berlin hat er bisher seine architektonischen Spuren hinterlassen. Zu seinen wichtigsten Bauten gehören das Redaktionsgebäude der taz (1991), das Logistikgebäude in der Siemensstadt (1994), das Klärwerk Waßmannsdorf bei Berlin (1998) und die Sanierung des Alten Stadthauses in Berlin (2001).
Ähnliche Werke
Nicht nur in Berlin werden ausgediente Industrie- bzw. Fabrikanlagen zu Kulturstätten umgebaut. Ein im Gegensatz zum »Radialsystem V« noch ungleich ehrgeizigeres Projekt entsteht zurzeit in der Hamburger Hafencity. Für insgesamt 186 Millionen Euro bauen die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron mit der Elbphilharmonie ein neues Wahrzeichen der Hansestadt. Der auf einem ehemaligen Kakaospeicher platzierte Glasbau soll ein rund 2150 Zuschauer fassendes Konzerthaus beherbergen und 2009 fertig gestellt sein.



