23. Juni 2006 Ausgabe 25/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Architektur

»Haus für Mozart« in Salzburg

Der Umbau des Kleinen Festspielhauses in Salzburg

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  Karl Forster  
© Karl Forster

 

Haus für Mozart

Hofstallgasse 1
A-5020 Salzburg

Telefon
+43(0) - 66 28 49 097

Website

Gebäude Haus für Mozart
Architekten Wilhelm Holzbauer, François Valentiny
Bauherr Salzburger Festspiele
Termin Eröffnung am 26. Juli 2006

Inhalt

Umgestaltung

Unter der Aufgabenstellung, die Sichtverhältnisse zu verbessern und die Akustik auf die Aufführung von Mozart-Opern zuzuschneiden, wurden die Architekten Wilhelm Holzbauer und François Valentiny mit der Umgestaltung des Kleinen Festspielhauses in Salzburg betraut. Ihre Arbeit am »Haus für Mozart« konzentrierte sich vornehmlich auf eine Umgestaltung der Fassade und den Neubau des Zuschauerbereiches, der durch Integration eines zweiten Rangs auf fast 1600 Sitzplätze erweitert werden konnte. Nach einem Pre-Opening am Wochenende wird der Saal am 26. Juli mit Mozarts »Figaro« offiziell eingeweiht.

Besonderheit

Gemeinschaftsprojekt der Konkurrenz

Wie schon beim Bau des Großen Festspielhauses mutet die Auftragsvergabe auch im Falle des »Hauses für Mozart« seltsam an. Eigentlich im Wettbewerb unterlegen, konnte Wilhelm Holzbauer die Entscheidungsträger offenbar davon überzeugen, dass er als Meisterschüler von Clemens Holzmeister, der den Großteil der bisherigen Spielstätten gestaltete, und als in der Region verhafteter Architekt dessen legitimer Nachfolger sei. Schließlich wurde der eigentliche Gewinner François Valentiny von einer Zusammenarbeit mit seinem einstigen Lehrer überzeugt.

Kritikenspiegel

Verpasste Chance

Enttäuscht zeigt sich die Kritik über das umgebaute Kleine Festspielhaus in Salzburg. So sind laut Gottfried Knapp (SZ) durchaus »Zweifel angebracht, ob die Begünstigung eines mit der Region einschlägig verbandelten Architekten wirklich von Vorteil war«, doch da der Saal »eine wunderbar durchsichtige Klangatmosphäre« ausstrahle und letztlich einen »guten Kompromiss zwischen traditionellen und modernen Formen« darstelle, sei er wohl letztlich doch ein »Gewinn für die Festspiele«. Für Derek Weber (NZZ) ist »die Vorgabe, ein für Mozart-Aufführungen geeignetes Haus mit guten Sichtverhältnisse zu schaffen, … erreicht« worden. Doch gerade die Fassadengestaltung scheine »geboren aus jenem kompromisslerischen Geist der Mutlosigkeit, die Salzburger und österreichische öffentliche Architektur so oft kennzeichnet.« Auch Eleonore Büning (FAZ) zeigt sich irritiert ob mancher Detaillösungen, die in ihrer »gruseligen Spießigkeit« dafür sorgten, dass etwa »das inwendig blattgolden belegte Vordach nicht mehr so erschlagend klotzig« und die »gelbliche Farbgebung nur noch halb so krank« wirke. Funktional erfülle das Haus seine Aufgabe jedoch, so dass »Musiker und Publikum … es lieben« werden. Mehr als »einen von außen wirklich nur als unansehnlich zu bezeichnenden Bau, der innen brav, aber ohne Bravour seine Funktion erfüllt«, hätte sich Ute Woltron (Der Standard) gewünscht. Ein »Haus für Mozart« müsse sich durch eine Architektur auszeichnen, »die ihre Besucher schon vor Konzertbeginn auf jenes Entzücken einstimmt, das die … Musik des Unsterblichen auch heute noch auszulösen imstande ist.« Leider hätten die Akteure die Chance verpasst, »endlich in der Gegenwart anzukommen, ein neues wundervolles Kleines Festspielhaus zu bauen und das alte, nie gut gewesene Ungetüm … nach einer kurzen Gedenkminute in die Luft zu jagen.«

Biografisches

WILHELM HOLZBAUER, *1930 in Salzburg, ist einer der prominentesten österreichische Architekten. Von 1950 bis 1953 studierte er bei Clemens Holzmeister in Wien, von 1956 bis 1957 am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Bis 1964 war er Mitglied der Arbeitsgruppe 4, einer Architektengemeinschaft, die durch innovative Bauten und Entwürfe die Moderne in der österreichischen Architektur einläutete. 1964 gründete er sein eigenes Büro in Wien, wo er von 1977 bis 1998 eine Professur innehatte. FRANÇOIS VALENTINY, *1953 in Remerschen, Luxemburg, absolvierte sein Studium an der Ecole d'Architecture de Nancy und zuletzt bei Holzbauer in Wien. Von 1987 bis 1992 war er Gastdozent an der Fachhochschule Trier, seit dem Jahr 2000 ist er Professor in Leipzig.

Ähnliche Werke

Neben dem »Haus für Mozart« sind vor allem das Große Festspielhaus und die Felsenreitschule die Hauptspielstätten der Salzburger Festspiele. Das nach Plänen von Clemens Holzmeister gebaute Große Festspielhaus fasst 2179 Zuschauer und zeichnet sich durch einen nahezu quadratischen Grundriss mit etwa 35 Metern Seitenlänge aus. 1960 wurde es mit dem »Rosenkavalier« von Richard Strauss durch Herbert von Karajan eingeweiht. Die Felsenreitschule wurde nach Plänen des Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach 1693 aus dem Felsen des Mönchsbergs gehauen und diente zunächst der Veranstaltung von Tierhatzen und Reitvorführungen. Nach ersten Versuchen von Max Reinhardt verwandelte 1948 wiederum Karajan die Felsenreitschule erstmals in eine Opernbühne. Von 1969 bis 1970 erfolgte nach Plänen von Holzmeister eine wesentliche Umgestaltung. Die Felsenreitschule fasst 1549 Zuschauer.

sr