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Staatsoper Unter den Linden
Unter den Linden 7
D-10117 Berlin
Kartentelefon
+49(0)30 - 20 35 45 55
| Titel | Die lustige Witwe |
|---|---|
| Komponist | Franz Lehár |
| Musikalische Leitung | Max Renne |
| Inszenierung | Peter Mussbach |
| Bühnenbild | Erich Wonder |
| Kostüm | Andrea Schmidt-Futterer |
| Besetzung | Bernd Zettisch, Sylvia Schwartz, Siegfried Jerusalem, Nadja Michael, Stephan Rügamer |
| Termine | 23./27./30. Juni, 02./04. Juli 2006 |
Inhalt
Reiche Erbin
Hanna ist ein armes Mädchen, das Graf Danilo aus dynastischen Gründen nicht heiraten darf. Während er anderweitig Ablenkung sucht, tröstet auch sie sich mit dem reichen Bankier Glawari. Als dieser in der Hochzeitsnacht stirbt, erbt sie sein Vermögen. Als nunmehr reiche Witwe begegnet sie Danilo auf einem Fest in Paris. Ihre Liebe entfacht erneut, doch nicht allein Danilo hat es auf sie abgesehen. Trickreich und selbstbewusst gelingt es Hanna jedoch, sich ihre Wünsche zu erfüllen. Staatsopernintendant Peter Mussbach inszeniert Franz Lehárs Erfolgsoperette als letzte Premiere der Berliner Spielzeit.
Besonderheit
Tumult
Bereits 1996 haben Peter Mussbach, Bühnenbildner Erich Wonder und Kostümbildnerin Andrea Schmidt-Futterer eine »Lustige Witwe« auf die Bühne gebracht. Doch anders als damals in Frankfurt konnte ihre neue Inszenierung in Berlin nicht überzeugen und löste so heftige Publikumsproteste aus, wie sie die Lindenoper lange Zeit nicht mehr erlebt hat. Als bei dem populären »Vilja«-Lied ein in Taucheranzügen verkleideter Chor die als Schauplatz eines Flugzeugabsturzes in der Arktis hergerichtete Bühne betrat, sorgten wütende Tumulte fast für einen Abbruch der Vorstellung. »Mussbach raus«-Rufe waren die Folge.
Kritikenspiegel
Unlustig
Ein regelrechtes Desaster erkennt die Kritik in Peter Mussbachs »Lustiger Witwe« an der Berliner Lindenoper. »Es beginnt mit einer Bruchlandung«, bemerkt Manuel Brug (Die Welt), »und stürzt trotzdem noch zwei überlange Stunden ins Bodenlose.« Die »unsäglich schlechte, langweilige und unprofessionelle« Inszenierung sei ein »Trümmerhaufen schlechtgelaunter Ideen und dummer Klischees«, der auch musikalisch beim Publikum gnadenlos durchgefallen sei: »Buhs hagelt es vom krawallsüchtigen Publikum bereits nach der uncharmant von dem No-Name Max Renne und der Berliner Staatsfeuerwehrkapelle herausgeknallten Ouvertüre«. Gerhard Rohde (FAZ) erkennt zwar zumindest »nachdenkenswerte Ansätze«, doch seien diese in der Ausführung größtenteils misslungen. Ein besonders grotesker Fehlgriff ist laut Georg-Friedrich Kühn (FR) die Besetzung der Hauptrollen: »Nadja Michael ist zwar eine gut aussehende Witwe. Stimmlich kommt sie mit ihrem aufgedonnerten Vibrato aber kaum auf den Teppich ... Für die Partie ihres früheren und neu umworbenen Liebhabers Danilo hat man den einstigen Heldentenor Siegfried Jerusalem reaktiviert ... Es gab zwar in der englischen Version des Stücks auch mal einen Danilo, der gar nicht singen konnte, aber Richtschnur kann das sicher nicht sein.« Daneben »knirscht und knarzt [es] im dramaturgischen Getriebe«. Folglich konstatiert auch Jörg Königsdorf (SZ): »Franz Lehárs Meisteroperette stürzt an der Lindenoper so kläglich ab wie vermutlich kaum jemals in ihrem mittlerweile hundertjährigen Bühnenleben ... Schön ist das nicht. Die ganze Produktion ... ist lediglich ein weiteres Argument gegen regieführende Intendanten - wenn jemand noch eines brauchen sollte. Ach ja, eine Idee hatte Mussbach doch noch: Das Finale hat er sich und dem Publikum kurzerhand erspart.«
Biografisches
Peter Mussbach
*1949 in Schwabach bei Nürnberg, ist seit 2002 Intendant und Künstlerischer Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden und hat in der Vergangenheit vor allem durch eventträchtige Opernproduktionen auf sich und sein Haus aufmerksam gemacht. Er studierte Gesang, Klavier und Dirigieren in München und Wien sowie Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie. Zudem ist er promovierter Mediziner. Seit einer Inszenierung von Peter Cornelius »Der Barbier von Bagdad« (1973) arbeitet er als Regisseur. Engagements führten ihn unter anderem nach Frankfurt, Hamburg und Brüssel. 1993 debütierte er mit Mozarts »Lucio Silla« bei den Salzburger Festspielen. Für Peter Ruzickas Oper »Celan« schrieb Mussbach 2001 das Libretto.
Ähnliche Werke
Nach einer eher verhalten aufgenommenen Uraufführung im Jahr 1905 ließ der Erfolg der »Lustigen Witwe« nicht lange auf sich warten. Schnell erkannte das Publikum die besondere Qualität der melodienreichen, kompositorisch hochklassigen und dramaturgisch spritzigen Operette und wähnte in ihr gar eine moderne »Fledermaus«. Seinen Durchbruch als Operettenkomponist erlebte Franz Lehár also mit einem Werk, das noch im Offenbach'schen Sinne seine gesellschaftskritischen Hiebe mit unterhaltsamer Komik auszuteilen verstand. Seine inhaltliche Besonderheit liegt in der Umkehrung tradierter sozialer Verhältnisse, ist es doch die Frau, die als reiche Witwe Objekt männlicher Begierde wird. Ähnlich wie die im selben Jahr entstandene Oper »Salome« von Richard Strauss proklamiert diese von dem Germanisten Volker Klotz als »Kampf um eine Millionenwitwe« charakterisierte Operette die Geburt eines neuen Frauenbildes auf der Musiktheaterbühne.



