23. Juni 2006 Ausgabe 25/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Literatur

Frank Schulz »Das Ouzo-Orakel«

Gefeierter Abschluss von Schulz' »Hagener Trilogie« über einen Trinker

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  Eichborn Verlag  
© Eichborn Verlag

 

Titel Das Ouzo-Orakel. Dritter Teil der Hagener Trilogie
Autor Frank Schulz
Genre Roman
Verlag Eichborn Verlag
Seiten 545 Seiten
ISBN 3-821-0729-6
Preis 24,90 Euro

Inhalt

Sehnsucht und Idyll

Nach einem Zusammenbruch und einem längeren Klinikaufenthalt hat sich der Hagener Bodo Morten, ehemaliger Redakteur eines Anzeigenblättchens und Trinker, in einen abgelegenen griechischen Ort zurückgezogen. Seit fünf Jahren lebt er hier, abgeschieden, asketisch, bis Monika in dieses Idyll einbricht. Sie entpuppt sich als Bodos Jugendliebe, die gerade in einer Ehekrise steckt und auf der Suche nach ihrem Mann ist. Als noch zwei weitere Frauen aus Bodos Vergangenheit auftauchen, sucht er mit einer Fünf-Liter-Flasche Ouzo Rat bei dem Einsiedler, den man das Ouzo-Orakel nennt.

Besonderheit

Sprachen und Mythen

Frank Schulz beherrscht die Sprache. Gekonnt geht er mit regionalen Dialekten, Soziolekten und fremdsprachlichen Färbungen um. Seine Figuren sprechen dadurch auf zweifache Weise zum Leser. Schulz lässt sie, wie Doja Hacker (Der Spiegel) es formuliert, »im Phantasiedeutsch der Griechen, in esoterischem Berlinerisch oder gelalltem Plattdeutsch« reden. Gegenbild zu diesem Realismus ist der utopisch-idyllische Rückzugsort von Bodo Morten voller Anspielungen auf die antike Mythologie. Auch Motive der Handlung sowie Figurendarstellungen knüpfen an mythologische Bilder an.

Kritikenspiegel

Hymnisches Lob

Sprache, Stil, Handlung, Motive, Figuren: In jeder Hinsicht kann Frank Schulz die Kritiker mit seinem neuen Roman »Das Ouzo-Orakel« begeistern. Edo Reents (FAZ) schwärmt von »diesem einsam herausragenden Erzähler« und »literarisch mit Abstand bedeutendsten Vertreter« der »Heimatkunst«. »Literatur funktioniert bei Schulz vor allem als Erinnerungsleistung, und wie er hier eintaucht in die Glaskugel abgelebter Kindheit, das gehört zu den vielen Glanzstücken dieses mit nicht mehr zu übertreffender Souveränität komponierten Buches.« Das Thema des Alterns spiele »hier eine unaufdringlichere, aber mit erheblich mehr Tiefgang traktierte Rolle ... als in manchem Generationsroman«. »Bei allem Witz«, so urteilt Doja Hacker (Der Spiegel), »ist das 'Ouzo-Orakel' der melancholischste Teil der Suchtroman-Trilogie« und zugleich ein »furioses ... Finale«. Auch Frank Schäfer (taz) schließt sich den Lobeshymnen an. Der »sprachlich merklich zurückgenommene ... Schäferroman« sei ein »würdiges Schlussstück« der Trilogie. Das Romanende sei »ein Bravourstück literarischer Diplomatie, das Kitsch- und Kunstprinzip so harmonisch versöhnt, dass die beiden Seelen des Lesers - die doofe und die abgewichste ... - sich vorm Autor in Dankbarkeit verneigen.« »Wie Schulz diesen Roman ästhetisch organisiert, wie er den Plot mit Vorausdeutungen und langen Rückblenden subtil unter Spannung hält, wie er stimmige, nie gesucht wirkende Leitmotive setzt und schlüssig verzahnt, das zeigt sein Stilgefühl und seine stupende formale Begabung. Nicht minder virtuos ... sind die Dialoge. Sie sprühen nicht nur vor burleskem Witz, sie erfüllen auch eine narrative Funktion ... Hier sprechen ... echte Menschen. Frank Schulz nimmt sich mit so viel Wärme, Empathie und Humanität ihrer Passionen und Verhängnisse an, dass sie einem schlicht zu Herzen gehen.«

Biografisches

Frank Schulz

*1957 in Hagen bei Stade, konnte als Schriftsteller bedingt durch verlegerische Schwierigkeiten bislang noch nicht die Anerkennung erfahren, die das Feuilleton ihm zuschreibt. Schulz arbeitete zunächst in Hamburg als kaufmännischer Angestellter. Dann studierte er »diverses Geisteswissenschaftliches«, so formuliert es der Verlag, und machte »dennoch [seinen] Abschluss«. 1991 veröffentlichte er mit »Kolks blonde Bräute« seinen ersten Roman und ersten Teil der »Hagener Trilogie«. Kurz nach dem Erscheinen des zweiten Teils, »Morbus Fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien« (2001), meldete der Verleger Konkurs an und Schulz musste mühevoll nach einem neuen Verlag für sein Werk suchen. Darüber hinaus veröffentlicht er in Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften. Für sein Werk erhielt Schulz bereits mehrere Auszeichnungen.

Ähnliche Werke

Schon mit den beiden ersten Teilen seiner »Hagener Trilogie« begeisterte Frank Schulz die Kritiker. In »Kolks blonde Bräute«, »diesem wundervollen Kindheits-, Heimat- und vor allem Trinkerroman«, wie Frank Schäfer (taz) es formuliert, begegnet der Leser vier dem Alkohol zugeneigten Hagener Skatfreunden, darunter Kolk, der Briefträger mit einer Vorliebe für langbeinige Frauen, und Bodo Morten, der am Silvesterabend die Geschichte von seinem Freund Kolk und dem Geheimnis um dessen fast taubes linkes Ohr erzählt. Im zweiten Teil geht es dann bereits um Bodo Morten selbst. »Morbus Fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien« handelt von Bodos Absturz, als dieser eines Tages seinen Job beim Anzeigenblatt verliert und wochenlang nur noch zu Hause herumsitzt, bis er plötzlich aufsteht, geht und nicht wiederkehrt.

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