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Akademietheater
Lisztstraße 1
A-1030 Wien
Kartentelefon
+43(1) - 51 44 44 145
| Titel | Arsen und Spitzenhäubchen |
|---|---|
| Autor | Joseph Kesselring |
| Inszenierung | Barbara Frey |
| Bühnenbild | Bettina Meyer |
| Darsteller | Kirsten Dene, Libgart Schwarz, Urs Hefti, Michael Maertens, Peter Simonischek |
| Termine | 26./27./30. Juni 2006 |
Inhalt
Morbides Hobby
Die Schwestern Abby und Martha Brewster meinen es gut mit den alleinstehenden Herren, die sich als Untermieter vorstellen. So vergiften sie diese mit Holunderwein, um sie - ungefragt - von ihrer Einsamkeit zu erlösen. Begraben werden die Leichen im Keller, wo Neffe Teddy, der sich für Theodor Roosevelt hält und die Toten für Opfer des Gelben Fiebers, den Panamakanal gräbt. Das kommt dem zweiten Neffen zupass: Der entflohene Mörder Jonathan hat auch eine zu entsorgende Leiche im Gepäck. Als der dritte Neffe, Theaterkritiker Mortimer, hinter das Geheimnis der Tanten kommt, wird es turbulent.
Besonderheit
Rollenverteilung
Regisseurin Barbara Frey bietet in ihrer Inszenierung der bekannten Kriminalgroteske am Wiener Akademietheater ein großes, von den Kritikern viel gelobtes Ensemble auf. Hervorstechend ist dabei die Leistung von Schauspieler Peter Matic, der gleich vier Rollen spielt. So ist er als Polizist O'Hara zu sehen, der selbst Theaterambitionen zeigt, als Pfarrer Dr. Harper, der Nachbar der Tanten und zugleich Vater von Mortimers Herzensdame Elaine ist, als Mr. Gibbs, ein potentielles Holunderweinopfer der gütigen Tanten, sowie als Leiter der Irrenanstalt »Seelenfrieden«, Mr. Witherspoon.
Kritikenspiegel
Schauspielerische Glanzleistung
Nicht ganz einig ist die Kritik im Gesamturteil über Barbara Freys Inszenierung, die überwiegend dennoch sehr positiv ausfällt. Das Lob für die Schauspieler hingegen ist einstimmig. So stellt Ulrich Weinzierl (Die Welt), der das Spiel von Peter Matic in vier Rollen als »virtuos« bezeichnet, fest, diese seien »allesamt Meister des Metiers. Jeder zeigt, was er ... kann: präzise kalkuliert und einstudiert.« Doch genau da sieht Weinzierl das Problem. Denn »deshalb wirkt die Kriminalgroteske überhitzt und in der Fülle darstellerischer Glanzleistungen schwerfällig.« Auch Ronald Pohl (Der Standard) bemängelt trotz »einiger hübsch skurriler Details« das fehlende Tempo der Aufführung. Helmut Schödel (SZ) aber bezeichnet die Inszenierung in seiner von einer Fußball-Metapher dominierten Kritik als »siegreiches Saisonfinale ... mit nur wenigen Fouls seitens der herrlich derben Regie von Barbara Frey«. Sie habe, so urteilt Barbara Villiger Heilig (NZZ), »den allgemeinen Wahnsinn« in das Haus der Brewsters verlegt und folge den Figuren »mit frecher Behutsamkeit«. »Frey sieht sowohl von aufdringlicher Politisierung als auch von schenkelklopfenprovozierendem Slapstick ab und begnügt sich damit, den Charme der Petite-Bourgeoisie über die Monstrositäten zu breiten, welche sich bei den Brewsters sammeln. Das Ensemble ... folgt ihr mit unvergleichlicher Präzision und vergnügt sich dabei sichtlich.« Diese Aufführung könne nur »mit Superlativen« angemessen beschrieben werden. Ebenso feiert Gerhard Stadelmaier (FAZ) Freys Inszenierung und die »großen Wiener Schauspieler«. Diese »legen unter Barbara Freys linkshändiger Leichtigkeitsregie eine herrliche Schauerposse hin, deren Pointe naturgemäß die allertraurigste, aber auch allerlustigste ist: Der Kritiker kann nichts mehr richten.«
Biografisches
Joseph Kesselring
1902-1967, gelangte als Autor des Theaterstücks »Arsen und Spitzenhäubchen« (1941) zu Weltruhm. Kein anderes der zwölf Theaterstücke des in New York geborenen Dramatikers konnte an diesen Erfolg heranreichen. Zunächst unterrichtete Kesselring Musik und war bis 1926 musikalischer Leiter und Direktor eines Amateurtheaters, bevor er als Schauspieler, Autor und Regisseur arbeitete. 1933 verlegte er sich ausschließlich auf das Schreiben. Vor allem verfasste er Boulevard- und Krimikomödien für das Theater. Mit »Arsen und Spitzenhäubchen« gelang ihm der große Durchbruch. Mehrere Jahre spielte das Stück am Broadway vor ausverkauftem Haus und ist bis heute ein Klassiker des Unterhaltungstheaters.
Ähnliche Werke
Die schwarze Komödie »Arsen und Spitzenhäubchen« wurde nicht zuletzt durch die Verfilmung von Frank Capra (1897-1991) aus dem Jahr 1944 weltbekannt. In dem Hollywood-Klassiker, der auch an die Tradition der Screwball-Komödie anknüpft, spielt Cary Grant (1904-1986) die Rolle des Mortimer. Fertig gestellt wurde der Film bereits 1942, wurde jedoch erst veröffentlicht, nachdem der große Erfolg des Stücks am Broadway abklang. Die Rolle des Jonathan, dem nach verschiedenen Gesichtsoperationen im Stück eine große Ähnlichkeit mit Frankenstein-Darsteller Boris Karloff (1887-1969) nachgesagt wird, spielte am Broadway übrigens Karloff selbst. Ähnlichen Ruhm wie »Arsen und Spitzenhäubchen« erlangte Alexander Mackendricks schwarze Krimikomödie »Ladykillers« (1955), in der Gangster Alec Guinness (1914-2000) mit seiner als Streichquartett getarnten Bande im Haus einer netten alten Dame einen Raub plant.



