13. Oktober 2006 Ausgabe 41/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Film

Davis Guggenheim »Eine unbequeme Wahrheit«

Al Gore warnt vor dem Klimawandel

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  United International Pictures GmbH  
© United International Pictures GmbH

 

Titel Eine unbequeme Wahrheit
Regie Davis Guggenheim
Land USA
Verleih UIP
FSK Ohne Altersbeschränkung
Länge 96 Minuten

Inhalt

Diavortrag

Der Dokumentarfilm »Eine unbequeme Wahrheit« begleitet Al Gore, seines Zeichens Umweltschützer und ehemaliger Präsidentschaftskandidat der USA, bei dessen Vortragsreisen zum Thema Klimawandel. Seit der Präsidentschaftswahl des Jahres 2000, in der er denkbar knapp gegen George W. Bush unterlag, zieht Gore durch die Welt, um in einem multimedialen Vortrag auf das seiner Meinung nach drängendste Problem der Menschheit aufmerksam zu machen: die globale Klimaerwärmung. Mit einer Mischung aus harten Fakten und Humor referiert Gore zum Thema und lässt immer wieder auch Biografisches einfließen.

Besonderheit

Erhöhte Sensibilität

Schon jetzt ist »Eine unbequeme Wahrheit« in den USA der dritterfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten - ein Hinweis auf die erhöhte Sensibilität der Amerikaner bezüglich der Klimaerwärmung. Seit deren Folgen auch in den USA zu spüren sind, scheint ein Sinneswandel eingetreten: 2005 war in vielen Teilen der USA das wärmste Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten; schwere Wirbelstürme wie »Katrina« nehmen an Häufigkeit und Zerstörungskraft zu. Bisher, so kritisiert Gore, weigern sich die USA jedoch, das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase zu ratifizieren.

Kritikenspiegel

Nicht restlos überzeugend

Das Feuilleton heißt den Ansatz des Films grundsätzlich gut und staunt über das souveräne Auftreten Al Gores. Dennoch kann der Film nicht restlos überzeugen. Rainer Gansera (SZ) bot sich ein »faszinierend-bewegender« Film, der »informatives Lehrstück, schönes Al-Gore-Porträt, Homemovie und Katastrophenfilm« in einem sei. Auch Der Spiegel schreibt von einer »packenden Dokumentation«. Bert Rebhandl (taz) hingegen ist nicht gänzlich überzeugt, wenn er die Stoßrichtung des Films auch richtig findet. Er stellt fest: Gores »unsolider, naiver Optimismus, wie [der] Gefahr zu begegnen sei - mehr Hybridmotoren -, zieht letztlich auch die Solidität seiner Diagnose in Mitleidenschaft«. Matthias Heine (Die Welt) ist von Al Gore hingegen positiv überrascht: »Der Mann, über dessen steif belehrende Haltung sich früher alle lustig machten, zeigt sich hier locker, witzig und charmant.« Dennoch bemerkt der Kritiker pessimistisch: »Menschen, für die der Anstieg des Meeresspiegels nur ein Anlass zu blöden Witzen über Ökopanikmache ist, werden sich auch durch Gores Tonnen von Fakten nicht überzeugen lassen.« Für Sascha Westphal (FR) wiederum ist »Eine unbequeme Wahrheit« vor allem ein »geschickt verpackter Werbefilm: Die Bilder, »mit denen [Gore] für den Kampf gegen die enormen Kohlendioxidemissionen wirbt, haben einen doppelten Boden ... Gore kämpft mit dem Film auch um sein Image - und scheint damit den nächsten Wahlkampf vorzubereiten.« Rainer Gansera (SZ) betont hingegen: »Angesichts dieses Films erscheinen all die anderen Probleme - Terrorismus, Altersfrage, die Nöte orientierungsloser Jugendlicher -, von denen jedes zweite Filmhochschüler-Opus erzählt, fast belanglos. Das Bild einer Flussbiegung, die es bald nur noch in der Erinnerung geben wird, ist aufwühlender.«

Biografisches

AL GORE, *1948 in Washington (D.C.), ist ein US-amerikanischer Politiker und Mitglied der Demokraten mit stark umweltpolitischer Ausrichtung. Aufgewachsen als Sohn eines US-Senators, studierte Gore zunächst von 1965 bis 1969 Politik in Harvard. Schon während seines Studiums engagierte sich Gore für den Klimaschutz. Nach seinem Abschluss konzentrierte er sich auf eine politische Karriere, 1976 wurde er ins Repräsentantenhaus gewählt, 1984 wurde er Senator des Bundesstaates Tennessee. Er blieb Senator bis 1993, als er unter Bill Clinton zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten aufstieg. Im Jahr 2000 kandidierte Gore für das Präsidentschaftsamt, unterlag aufgrund des US-amerikanischen Wahlsystems jedoch seinem Gegenkandidaten George W. Bush, obwohl er insgesamt rund 200.000 Stimmen mehr erhielt als dieser. Der Entscheidung waren massive Probleme bei der Auszählung der Stimmen und ein juristisches Tauziehen nach der Wahl vorangegangen. Seither engagiert sich Gore massiv für eine internationale Bewusstseinsbildung des Klimaschutzproblems. DAVIS GUGGENHEIM; *1964, ist ein US-amerikanischer Regisseur. Nach einem Studium an der renommierten Brown University in Providence arbeitete er bevorzugt für das Fernsehen und produzierte unter anderem Episoden für die Serien »NYPD Blue«, »Alias« und »24«.

Ähnliche Werke

Al Gore veröffentlichte bereits mehrere Bücher zum Thema Klimaschutz. Zuletzt führte Roland Emmerichs Erfolgsfilm »The Day After Tomorrow« (2004) die schädlichen Folgen der Erderwärmung einer breiten Öffentlichkeit in den USA und weltweit vor Augen.

rg