13. Oktober 2006 Ausgabe 41/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Oper

Detlev Glanert »Caligula«

Umjubelte Uraufführung an der Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt am Main

Untermainanlage 11
D-60311 Frankfurt/Main

Kartentelefon
+49(0)69 - 1340400

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Titel Caligula
Komponist Detlev Glanert
Libretto Hans-Ulrich Treichel
Musikalische Leitung Markus Stenz
Regie Christian Pade
Bühnenbild Alexander Lintl
Kostüm Alexander Lintl
Besetzung Ashley Holland, Michaela Schuster, Martin Wölfel, Gregory Frank, Jurgita Adamonytė, Hans-Jürgen Lazar, Dietrich Volle, Barbara Zechmeister, Constantin Neiconi, Michael Schulte, Matthias Holzmann, Jin-Soo Lee
Termine 07./13./15./18./20./22./28. Oktober 2006

Inhalt

Machtwahn

In seiner neuesten Oper wendet sich Detlev Glanert dem römischen Kaiser Caligula zu. In vier chronologisch aufeinander folgenden Akten zeichnen der Komponist und sein Librettist Hans-Ulrich Treichel die Stationen einer sich zum Größenwahn auswachsenden Obsession nach unumschränkter Macht nach. Immer radikaler wird die Isolation des tyrannischen Kaisers. Auf dem Höhepunkt seiner Gewaltherrschaft wird er vom Hofstaat und den Patriziern ermordet. Die Regie der Uraufführung in der Oper Frankfurt liegt in den Händen von Christian Pade, die musikalische Leitung hat Markus Stenz.

Besonderheit

Vorlage

Detlev Glanerts Librettist Hans-Ulrich Treichel stützt sich bei seinem Operntextbuch auf Albert Camus' Schauspiel »Caligula«. Das unter dem unmittelbaren Eindruck der europäischen Diktaturen in den 1930er Jahren entstandene Werk markiert den Beginn von Camus' existentialistischen Annäherungen an die Absurdität des Daseins. Als Erkenntnis Caligulas formuliert er die Einsicht, dass die absolute Freiheit letztlich ins absolute Nichts führe. Glanert und Treichel verleihen dieser existentialistischen Einsicht eine neue Variante und geben Einblick in die Psyche des despotischen Kaisers.

Kritikenspiegel

Erfolg

Sehr positiv äußert sich die Kritik zu Detlev Glanerts neuester Oper und ihrer Darbietung in Frankfurt. Gerhard Rohde (FAZ) konstatiert ein spürbar »glückliches« Publikum, dass sich an »durchaus effektvollem und ernsthaft gedachtem Operntheater« erfreute, das musikalisch wie szenisch »eindrucksvoll« dargeboten wurde. Ähnlich beurteilt Hans-Jürgen Linke (FR) den Abend und bemerkt, »dass die Gründe für den erstaunlichen Uraufführungserfolg sich recht glücklich auf die Schultern aller Beteiligten verteilen - nach Maßgabe einer kompromisslosen künstlerischen Klarheit in Text und Musik.« Auch Jörg Königsdorf (SZ) zollt dem Komponisten Respekt, nicht zuletzt dafür, dass er sein Publikum nicht - wie viele andere Verfasser zeitgenössischer Opern - ratlos zurückließe. Dennoch schränkt er ein: »Gerade die sichere Formerfüllung hinterlässt ... ein seltsam schales Gefühl. Denn alles, der klassische Zuschnitt der Handlung, die Musik in ihrer unerschütterlichen Selbstsicherheit, ja sogar die praktische Einteilung in vier jeweils halbstündige Akte, weist in dieser Musik zurück in die Operngeschichte - nichts dagegen weist voraus ... Nie stellt sich seine Musik gegen das, was ihre Protagonisten verkünden, nie offenbart sie jene unterschwelligen, unbewussten Anziehungskräfte zwischen den Figuren, die erst das Faszinosum der Gattung Oper ausmachen.« Genau dies jedoch hat Elmar Krekeler (Die Welt) gespürt, spricht von einem »Glücksfall des zeitgenössischen Musiktheaters« und schwärmt gerade über die politische Brisanz des Stoffes: »So aktuell, so universell wie dieser Vierakter ... war Musiktheater in Deutschland selten in letzter Zeit«. Glanert habe »ein Thesenstück mit Musik« geschaffen, das sein Publikum erricht habe und seinen Weg machen werde.

Biografisches

Detlev Glanert

*06.09.1960 in Hamburg, ist einer der versiertesten deutschen Komponisten im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters. Im Alter von zwölf Jahren unternahm er erste Kompositionsversuche und erhielt seinen ersten Instrumentalunterricht. Später studierte er in Hamburg sowie vier Jahre lang bei Hans Werner Henze. 1985 wurde Glanerts 1. Sinfonie im Rahmen des »Forums junger Komponisten« durch die Berliner Philharmoniker uraufgeführt. Es folgten einige Stipendien und Auslandsaufenthalte, die Glanert Zeit zum Komponieren und zur Findung einer individuellen Tonsprache ließen. Einen Namen machte er sich vor allem als Opernkomponist. 1995 wurde »Der Spiegel des großen Kaisers« in Mannheim uraufgeführt, »Joseph Süß« 1999 in Bremen. Für »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung« erhielt er 2001 den Bayerischen Theaterpreis. Drei frühe Kammeropern nach Texten von Thornton Wilder fasste er als Triptychon unter dem Namen »Wasserspiele« zusammen. Außerdem schrieb Glanert zahlreiche Kammermusik und bisher drei Sinfonien sowie andere Orchesterwerke. Stilistisch beruft sich Glanert vor allem auf Gustav Mahler mit seiner emotional grundierten Weltschau und auf Maurice Ravel mit seinen artifiziell-sinnlichen Klanglandschaften.

Weitere Informationen

Caligula war von 37 bis 41 römischer Kaiser. Zunächst als Hoffnungsträger gehandelt, wandelte er sich mehr und mehr zu einem despotischen Gewaltherrscher. Antike Berichte zeichnen den Kaiser fast durchweg als von Machthunger getrieben und dem Wahnsinn nahe. Sein Leben ist Gegenstand zahlreicher literarischer und dramatischer Bearbeitungen.

sr