13. Oktober 2006 Ausgabe 41/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kunst & Ausstellung

»Black Paintings«

Schwarze Bilder im Münchner Haus der Kunst

SUMMA-METER Artikel als PDF anzeigen
MEDIEN-ECHO Artikel als MP3 anhören
  haus der kunst  
© haus der kunst

 

Haus der Kunst

Prinzregentenstrasse 1
D-80538 München

Kartentelefon
+49(0)89 - 21127113

Info

Titel Black Paintings
Künstler Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Mark Rothko und Frank Stella
Kuratorin Stephanie Rosenthal
Läuft noch bis 14. Januar 2007
Öffnungszeiten Mo-So 10- 20 Uhr, Do 10 - 22 Uhr
Preise 7,00 Euro / 5,00 Euro ermäßigt

Inhalt

Schwarzgemalt

Wer hier schwarz sieht, ist ganz richtig, denn allein der Farbe Schwarz wurde die Ausstellung »Black Paintings« im Münchner Haus der Kunst gewidmet. Beispielhaft für die Einfarbenmalerei der 1940er bis 1960er Jahre werden vier Künstler präsentiert: Mark Rothko, Ad Reinhardt, Robert Rauschenberg und Frank Stella. In ihren Bildern gilt es die feinen Nuancen und die Variationen der Farbe Schwarz zu entdecken. Gezeigt wird etwa die Farbfeldmalerei von Reinhardt, die die verschiedensten Schattierungen von Schwarz aufzeigt, oder die Einritzungen in die schwarze Leinwand von Frank Stella.

Besonderheit

Intensiv

Die Basis der Ausstellung hat Kuratorin Stephanie Rosenthal so minimal wie möglich gehalten. Sie reduzierte die Schau nicht nur auf eine Farbe, sie bezog auch lediglich vier Künstler in die Inszenierung ein. Damit ermöglicht sie einen beispielhaften Vergleich der wichtigsten und herausragendsten Vertreter und verzichtet auf eine enzyklopädische Übersicht, obwohl, wie sie gegenüber dem DLF äußerte, bei den ersten Vorbereitungen der Schau etwa fünzig Künstler für das Ausstellungthema zur Debatte standen.

Kritikenspiegel

Klar und deutlich

Von der Ausstellung und ihrer Inszenierung sind die Rezensenten sichtlich angetan. Das Konzept der Reduktion funktioniere und lasse Platz für die intensive Betrachtung der schwarzen Bilder. Walter Kittel (DLF) bemerkt dazu: Die hauptsächlich schwarzen Bildserien »sollen den Besuchern zunächst vor allem ein Gespür für die Möglichkeiten dieser Farbe vermitteln. Keine kunstgeschichtlichen Fragen stehen im Vordergrund. Es geht nicht darum, etwa eine verzweigte Verbindung zu Malewitschs Schwarzem Quadrat herzuleiten. Es geht auch nicht in erster Linie um symbolische Lesarten des Schwarzen, sondern um das reine Farberlebnis.« Die einfarbigen Bilder der Ausstellung beschreibt Hans-Dieter Fronz (RM): »Für Stella wie für Rauschenberg stellten die schwarzen Serien eine wichtige Durchgangsstation in ihrer künstlerischen Entwicklung dar: Es ging für sie darum, die Tradition zu überwinden und ein neues Vokabular zu erfinden - auch wenn die frühesten schwarzen Bilder Rauschenbergs noch gegenständliche Relikte aufweisen.« Mark Rothko kommentiert er mit denWorten: »Mit seinen Black-form Paintings nähert er sich dem Tragischen … Schwarz steht hier für die Leere und das Nichts, die den Betrachter erlebnishaft auf existenzielle Fragen verweisen.« Eine »klar gegliederte, eine unaufgeregte Ausstellung« hat Jutta Göricke (SZ) gesehen, »die ein Wiedersehen und neue Bekanntschaften mit Meisterwerken ermöglicht.« Einen Kritikpunkt zur Aufarbeitung der Schau bemerkt Birgit Sonna (NZZ): »Vielleicht wäre die anfangs von der Kuratorin Stephanie Rosenthal erwogene Anbindung an die Jetztzeit doch lohnend gewesen. Etwas autistisch schwebt die fraglos delikat aufbereitete Ausstellung kunstphilosophisch im sanktionierten Raum der reinen Historie.«

Hintergrund

Die New Yorker Schule

war eine unverbindliche Formation befreundeter Künstler im New York der 1950er Jahre. Sie vertraten keinen einheitlichen Stil und doch ordnet man ihre Werke dem Abstrakten Expressionismus zu. Sie distanzierten sich von figurativen Darstellungen; ihre Bilder variieren vom expressiven Action- oder Drip-Painting bis zu geometrischen und exakten Farbfeldmalereien. Eine Verbindung zwischen den Künstlern bestand vor allem durch ihre Auffassung der Malerei: Die Darstellung von Ideen und Erfahrungen rückte in den Mittelpunkt, der Moment des Malens und des Betrachtens wurde wichtiger. Ausschlaggebend für die Entwicklung des Abstrakten Expressionismus war die Einwanderung vieler bedeutender europäischer Künstler in den 1930er und 1940er Jahren. Zur ersten Generation der New York School zählen etwa Willem de Kooning, Mark Rothko und Jackson Pollock. Der Abstrakte Expressionismus ist der erste wichtige amerikanische Beitrag zur Kunst der Moderne.

Ähnliches

Die Ideen des Abstrakten Expressionismus beschränkten sich nicht allein auf die Malerei. Auch in anderen Bereichen griff man auf die Reduktion zu einem vermeintlichen Nichts zurück, um die Beobachtungsgabe der Bertrachter zu schulen. Der amerikanische Komponist John Cage ließ 1952 das Stück 4'33'' aufführen, in dessen drei Sätzen kein einziger Ton erklingt. Trotzdem war es nicht geräuschloß: Erst hörte man den Regen auf das Dach prasseln, dann machten sich die Zuhörer bemerkbar. Der Videokünstler Nam June Paik zeigte unbelichtete Filmnegative, wodurch der darauf liegende Staub sichtbar wurde.

cd