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Mainfranken Theater Würzburg
Theaterstraße 21
97070 Würzburg
Kartentelefon
+49 (0)931 39 08 124
| Titel | Das Herz |
|---|---|
| Komponist | Hans Pfitzner |
| Musikalische Leitung | Martin Braun |
| Inszenierung | Stephan Suschke |
| Bühnenbild | Momme Röhrbein |
| Kostüm | Momme Röhrbein |
| Besetzung | Andreas Bauer, Barbara Hahn, Gustavs Gailus, Michael Baba, Silke Evers/ Anja Kaesmacher, Stefan Stoll, Gundula Schneider |
| Termine | 09./ 13. April, 05./ 28. Mai, 02./ 05. Juni 2006 |
Inhalt
Teuflische Organspende
Dr. Athanasius setzt seine magischen Kräfte nur zögerlich ein und so ist er nicht bereit, den todkranken Sohn des Gerichtsbeamten Asmus Modiger zu heilen. Erst das Eingreifen der schönen Helge von Laudenheim lässt ihn seinen Entschluss ändern. Indem er dem Dämon Asmodi ein menschliches Herz verspricht, gelingt es ihm, den jungen Mann zu heilen. Aus Dankbarkeit heiratet ihn Helge. Doch nach einem Jahr taucht Asmodi wieder auf und fordert das Herz der jungen Braut. Hans Pfitzners letzte Oper wird in Würzburg von Stephan Suschke inszeniert, die musikalische Leitung hat Martin Braun.
Besonderheit
Andere Wege
»Das Herz« entstand im Jahr 1931 und ist der Versuch Pfitzners, sich vom Musikdrama Wagner'scher Ausprägung zu lösen. Bewusst benutzt er kleinere Formen und verwendet musikalische Linien, die weniger auf den Klang als vielmehr auf die strukturellen Momente der Musik zielen. Das Orchester ist oft kammermusikalisch in kleiner Besetzung gehalten, die Musiksprache weniger dramatisch und eher lyrisch geprägt. Dies sind auch Strategien Pfitzners, um sich gegen seinen schier übermächtigen Zeitgenossen Richard Strauss zu behaupten.
Kritikenspiegel
Erfreuliche Ausgrabung
Bei einer so selten gespielten Oper wie Hans Pfitzners »Herz« liegt neben ihrer szenischen Umsetzung und musikalischen Ausführung auch das Werk selbst im Fokus des Kritikerinteresses. So könne sich Pfitzners Musik laut Martin Köhl (SZ): »vom Hautgout des Epigonalen nicht ganz befreien«, doch auch Positives vermag er der Partitur abzugewinnen: »Oft kommentieren aus dem Tutti heraustretende Solostimmen reizvoll das Geschehen, während der über weite Strecken deklamatorische Stil vorzügliche Textverständlichkeit garantiert.« Eben dieser Text taugt laut Joachim Lange (FR) zu einer zumindest teilweisen Rehabilitierung Pfitzners: »Obwohl ... in zeitlicher Nähe der vom Komponisten durchaus herbei gewünschten Machtergreifung der Nazis uraufgeführt ..., erweist sich ausgerechnet das Sujet seiner letzten Oper als erstaunlich modern und in seiner humanistisch-didaktischen Pointiertheit frei vom Verdacht, irgendwie angebräunt zu sein.« Ellen Kohlhaas (FAZ) empfindet Pfitzner in »Das Herz« als »theaterinstinktsicheren, erstaunlich fortschrittlichen Verbündeten« eines Regieteams, das eine »hervorragende« Produktion auf die Bühne stellte. Als deren besondere Qualität weisen alle Kritiker dankbar auf den Verzicht einer zwanghaften Modernisierung des Stoffes hin und stellen, wie etwa Joachim Lange (FR), erfreut fest, dass man der »Versuchung« widerstand, »die Story in allzu wohlfeilem Gegenwartsbezug zu verramschen«. Hinzu kämen Sänger, die durchweg auf »beispielhaftem Niveau« agierten und ein Orchester, das Ellen Kohlhaas (FAZ) schwärmen lässt: »Plastisch, schwungvoll und klangsinnlich setzte ... Martin Braun die Musik so unter Strom, daß die Dauerspannung ... noch Stimmverästelungen und Klangschichten durchhörbar machte.« Insgesamt also eine erfreuliche Wiederentdeckung eines vortrefflich dargebotenen Werkes.
Biografisches
Hans Pfitzner
1869-1949, ist einer der umstrittensten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sehen seine Gegner in ihm einen nationalistischen Anti-Modernisten, gestehen ihm seine Anhänger große musikalische Verdienste zu. Geboren in Moskau, wuchs der Sohn eines Orchestermusikers in Frankfurt am Main auf. Schon früh bekam er vom Vater den ersten Musikunterricht, später folgte ein Studium in Frankfurt. Schnell entstanden erste Kompositionen. 1917 schließlich wurde mit »Palestrina« seine wohl bedeutendste Oper uraufgeführt. In den 1920er Jahren entstanden seine wichtigsten Instrumentalwerke. Durch den Tod seiner Frau veranlasst, komponierte er zu Beginn der 1930er Jahre mit »Das Herz« seine letzte Oper. Pfitzners Verhältnis zu den Nationalsozialisten war nicht immer frei von Anbiederungen und Ehrerbietungen, was ihm nach dem Zweiten Weltkrieg berechtigte Kritik einbrachte. 1949 starb Pfitzner in Salzburg.
Bezugspunkte
Stilistisch erinnert »Das Herz« an Opern wie Alban Bergs »Wozzeck« (1925) oder Paul Hindemiths »Cardillac« (1926). Der phantastisch-dämonische Stoff ist ein Zeugnis der Verehrung, die Pfitzner dem Werk Carl Maria von Webers und allem voran dessen »Freischütz« (1821) entgegenbrachte. Kind ihrer Zeit ist die Oper vor allem durch die durchgängige Psychologisierung der Bühnenhandlung: Allein die menschliche Gemütsbewegung ist Ausgangspunkt des gesamten dramatischen Geschehens. Nicht zuletzt erinnert der Pakt mit dem Bösen, den Athanasius aus Prestigestreben zu schließen bereit ist und der zudem von der gesamten Gesellschaft um ihn herum nahezu gefordert zu sein scheint, an den Pakt zwischen Mephisto und Faust.



