24. Februar 2006 Ausgabe 08/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Film

Serdar Akar »Tal der Wölfe«

Wie ein türkischer Actionfilm die Medien beschäftigt

SUMMA-METER Artikel als PDF anzeigen
MEDIEN-ECHO Artikel als MP3 anhören
  Maxximum  
© Maxximum

 

Website

Titel Tal der Wölfe
Regie Serdar Akar
Drehbuch Raci Sasmaz und Bahadir Özdener
Darsteller Necati Sasmaz, Billy Zane, Bergüzar Korel, Ghassan Massoud
Land Türkei
Verleih Maxximum
FSK ab 16 Jahren
Filmstart 09. Februar 2006

Inhalt

Wiederherstellung der Ehre

Im Juli 2003 werden Soldaten der türkischen Einsatzkräfte im Irak von amerikanischen Soldaten aus ihrem Stützpunkt heraus verschleppt. Diese reale Begebenheit ist Ausgangspunkt des Films »Tal der Wölfe«. Der türkische Agent Polat Alemdar will die Hintergründe dieser demütigenden Affäre im Irak untersuchen und die Ehre der türkischen Soldaten und des ganzen Volkes wiederherstellen. Sein Gegenspieler ist der Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen, Sam William Marshall. Ein blutiger Rachefeldzug beginnt.

Besonderheit

Erfolg in Serie

Seit 2003 läuft im türkischen Fernsehen die Actionserie »Tal der Wölfe«, aus der der Film entstanden ist. Regisseur Serdar Akar machte den zuvor unbekannten Hauptdarsteller Necati Sasmaz gleich mit der ersten Rolle zum Star. Die Serie, in der Agent Alemdar allerdings gegen die Mafia kämpft, ist so erfolgreich wie keine vor ihr in der Türkei. Auch der Film, die teuerste türkische Produktion, kann schon jetzt als der erfolgreichste türkische Film bezeichnet werden. Allein in Deutschland sahen ihn in den ersten zehn Tagen 200.000 Zuschauer.

Kritikenspiegel

„Überzeichneter Actionfilm“

Das Medienecho zu »Tal der Wölfe« ist enorm, wobei die Beiträge zum Film selbst überschaubarer bleiben. Das Urteil der Presse fällt dabei einhellig negativ aus, es sei ein dürftiger Actionfilm nach gängigem Schwarz-Weiß-Muster. »Tal der Wölfe« könne jedoch nicht unabhängig von den Publikumsreaktionen gesehen werden. So musste Eberhard Rathgeb (FAZ) feststellen, daß er »mitten in Berlin ein echtes Integrationsproblem kriegen würde«. Und »es ist, sagen wir es rundheraus: ein antiamerikanischer, antichristlicher, es ist ein türkisch-nationalistischer und promuslimischer Streifen - denn ihn Film zu nennen, wäre angesichts der miesen cineastischen Qualitäten maßlos übertrieben.« Sein Kollege Richard Kämmerlings (FAZ) gibt zu bedenken: »Man darf den Film mit seiner offenkundigen antiwestlichen und antisemitischen Hetze aber auch nicht unterschätzen. Seine Perfidie besteht gerade darin, daß er als Unterhaltungsfilm funktioniert und für ein breites und ideologisch ganz unverdächtiges Publikum attraktiv ist.« Alexander Bürgin (Spiegel online) hat eine weitere Erkenntnis gewonnen: »Die Episode über den Rauswurf der türkischen Soldaten zeigt, welch immens hohen Stellenwert der Ehrbegriff bei Männern der muslimischen Welt hat. Und wie ehrverletzend Muslime das Auftreten des Westens wahrnehmen ... Der Film instrumentalisiert diesen Groll auf den Westen.« »Ähnlich wie die amerikanische Politik im Irak«, schreibt Amin Farzanefar (FR), »verliert sich der Film hoffnungslos in Nebenschauplätzen und unübersichtlicher Handlungsführung.« Daniel Bax (taz) schließlich hat einen »grotesk überzeichneten Actionfilm« gesehen, der »das Zerrbild des Irakkriegs als einer Art jüdisch-amerikanische Verschwörung« zeichnet und gerade wegen seiner perfiden Botschaft bedenklich sei.

Hintergrund

Beunruhigend und umstritten

Nach den Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen sind Journalisten und Politiker besonders hellhörig. Die Diskussion um »Tal der Wölfe« schwillt entsprechend stündlich an. Doch nicht nur der Film selbst mit seinen antiamerikanischen, antiwestlichen, antisemitischen und schlicht brutalen Tendenzen beunruhigt Medien und Politik. Vielmehr sind es die Reaktionen des meist türkischstämmigen Publikums, die der Botschaft des Films offenbar zustimmen. CSU-Chef Stoiber fordert lautstark die Absetzung des Films, einige Politiker wie auch der Zentralrat der Juden in Deutschland stimmen mit ihm darin überein. Andere wiederum warnen vor überzogenen Reaktionen. Ein großer Diskussionsbedarf wird letztlich überall deutlich. Im Hinblick auf mögliche EU-Beitrittsverhandlungen werden offen lobende Äußerungen von türkischen Politikern hierzulande allerdings einhellig kritisch aufgenommen.

Weitere Informationen

Dass der Film brutale Szenen beinhaltet, steht außer Frage. Unklar scheint, wie diese Gewalt zu bewerten ist. Zunächst hatte die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) den Film ab 18 freigeben wollen. Auf Druck des Verleihers wurde die Freigabe aber auf 16 Jahre heruntergesetzt. In der Türkei ist der Film ohne Alterseinschränkung freigegeben. Nun hat das Land Nordrhein-Westfalen durchgesetzt, dass die Altersfreigabe erneut überprüft wird. Kinobetreiber Cinemaxx hat den Film laut Spiegel online daraufhin aus dem Programm genommen. Zurzeit läuft der Film nur im türkischen Original mit deutschen Untertiteln. Eine synchronisierte Fassung ist in Vorbereitung.

kq