24. Februar 2006 Ausgabe 08/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Literatur

Ryszard Kapuscinski »Meine Reisen mit Herodot«

Ein großer Reporter erzählt über die Begegnungen mit seinem Vorbild

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  Eichborn  
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Titel Meine Reisen mit Herodot
Autor Ryszard Kapuściński
Übersetzer Martin Pollack
Genre Sachbuch
Verlag Eichborn
Seiten 340 Seiten
ISBN 3-8218-4564-3
Preis 28,50 Euro

Inhalt

Ständiger Begleiter

Anlässlich seiner ersten Auslandsreise nach Indien schenkte die Chefredakteurin dem jungen Reporter Ryszard Kapuscinski eine Ausgabe von Herodots »Historien«, die damals in Polen nur schwer zu bekommen waren. Von da an begleitete Herodot Kapuscinski nicht nur als Unterhaltungslektüre, sondern vor allem als Vorbild, Inspiration und Gefährte im Geiste. Wie Herodot zog Kapuscinski immer wieder los, um die Welt zu entdecken, wichtige Ereignisse mitzuerleben und für andere in seinen Berichten erfahrbar zu machen.

Besonderheit

Reporter der Geschichte

Im 5. Jahrhundert v. Chr. reiste Herodot aus Halikarnassos durch die Länder rings ums östliche Mittelmeer und hielt seine Beobachtungen, Ansichten und zahlreiche Anekdoten in seinen »Historien« fest. Dieses Werk gilt als erste historische Darstellung des Abendlandes und literarische Hauptquelle für die Geschichte der Alten Welt und der Perserkriege. Kapuscinski sieht in Herodot das historische Vorbild des Reporters, der mit großer Neugier Unbekanntes entdecken will und (erstmals) schriftlich für die Nachwelt festhält.

Kritikenspiegel

Beispielhafte Gedankenreisen

Die Rezensenten sind sich einig, dass »Meine Reisen mit Herodot« ein wirklich gutes Buch ist - wenn auch an wenigen Stellen leichte Kritik geäußert wird. Kurt Flasch (FAZ) kann Kapuscinski »gelegentlich auf die Nerven gehen, wenn er Fragen stellt, von denen er weiß, daß es auf sie keine Antwort gibt«. Dennoch wünscht Flasch »diesem ungewöhnlichen Buch«, dessen Reiz »auf der kunstvollen Vermischung« von Antike und Moderne beruhe, »viele Leser«. Jan Wagner (FR) schreibt, »Kapuscinski lässt den Leser an beidem teilhaben: an seiner von Mal zu Mal profunderen Lesart der Historien und der durch Liebe und Wahlverwandtschaft geschärften Kenntnis des Werkes wie auch an den eigenen Reisen, die Hintergrund und Kontrast der Lektüre bilden.« Für Thomas Steinfeld (SZ) ist »Kapuscinski immer dann mitreißend gut, wenn irgendwo in einem fernen Land die Wirklichkeit neu entsteht - und er in diesem Augenblick anwesend ist. Es ist das Gleichgewicht zwischen Erzählung und Nachricht, zwischen Physiognomie und Recherche, das beide [Kapuscinski und Herodot] auszeichnet.« Klaus Brinkbäumer (Der Spiegel) findet das Buch vor allem »anders« als die bisherigen Werke Kapuscinskis: »leichter und manchmal verplaudert, selbstironisch, persönlich und warm und großartig deshalb, weil es einen Bogen schlägt von der Art, wie Herodot ... durch die damals bekannte Welt reiste, hin zu Kapuscinskis Reisen«. »Die Gemeinsamkeiten« zwischen Herodot und Kapuscinski, schreibt schließlich Nico Bleutge (NZZ), »sind zweifellos gross, eine Grenze jedoch lässt sich niemals überwinden.« Kapuscinskis Buch »zeugt von seinem umfassenden Respekt vor allem Menschlichen. Es ist dieser Einsatz für das Humanum, der seine 'Reisen mit Herodot' zu einem wirklich grossen Buch macht.«

Biografisches

Ryszard Kapuscinski

*04.03.1932 in Pinsk, damals Polen, heute Weißrussland, zählt zu den bedeutendsten Journalisten und Autoren der Gegenwart. 1945 kam Kapuscinski mit seiner Familie nach Warschau, wo er später Geschichte studierte und an einer Jugendzeitung mitarbeitete. Sein Ziel war es zu reisen und Grenzen zu überschreiten. 1956 wurde Kapuscinski zu seiner ersten wichtigen Auslandsreise nach Indien geschickt. Von 1957 an arbeitete er für die Polnische Nachrichtenagentur PAP und berichtete als Auslandskorrespondent u.a. aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Seine Bücher und Reportagen aus Gebieten des Umsturzes - so »König der Könige« (1995), eine brillante Studie über den Sturz des äthiopischen Herrschers Haile Selassie - werden gefeiert. Zu Kapuscinskis vielen Auszeichnungen gehört die Wahl zum »Polnischen Journalisten des Jahrhunderts« (1999).

Ähnliche Werke

Auf seinen »Reisen mit Herodot« folgte Ryszard Kapuscinski nicht nur Herodots sprachlichen und gedanklichen Spuren, sondern besuchte auch verschiedene der Länder und Schauplätze, die sein Vorbild bereist hatte, und schlägt so eine Brücke über die zweieinhalbtausend Jahre dazwischen. Herodots »Historien« sind teilweise auch unter den Titeln »Forschungsbericht«, »Forschungen« oder »Geschichten« zu finden. Zu den zeitgenössischen Kollegen von Kapuscinski zählt beispielsweise der niederländische Autor Cees Nooteboom, der sich vor allem als Reiseschriftsteller und mit packenden Reportagen einen Namen gemacht hat, oder der deutsche Schriftsteller und Journalist Hans Christoph Buch, der in den 1990er Jahren mehrere Reportagen aus afrikanischen Krisenregionen veröffentlichte.

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