23. Dezember 2005 Ausgabe 51/2005 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Literatur

Martin Amis »Die Hauptsachen«

Autobiografische Erzählung aus englischer Schriftstellerfamilie

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  Carl Hanser Verlag  
© Carl Hanser Verlag

 

Titel Die Hauptsachen
Autor Martin Amis
Übersetzer Werner Schmitz
Genre Roman
Verlag Carl Hanser Verlag
Seiten 456
ISBN 3-446-20653-1
Preis 24,90 Euro

Inhalt

Lebenserfahrungen

In Anekdoten und losen Bildern erzählt Schriftsteller Martin Amis aus seinem Leben und dem seiner Familie. Zentral sind dabei seine Beziehungen zu anderen Menschen, besonders zu seinen beiden Ehefrauen und seinem berühmten Vater, dem Schriftsteller Kingsley Amis. Den Höhepunkt bilden die Ereignisse um das Jahr 1995, in dem Amis viele persönliche Katastrophen, darunter den Tod des Vaters, ebenso hinnehmen muss wie zahlreiche einschneidende Erfahrungen, die dem englischen Original auch seinen Titel geben: »Experience«.

Besonderheit

Ungewohnte Einsichten

Martin Amis' Vater, Kingsley Amis, war ein in England sehr bekannter Schriftsteller, der auch mit seinen exzentrischen Ansichten auffiel. Kingsley war in zweiter Ehe mit der Autorin Elizabeth Jane Howard verheiratet. Martin schrieb sein Buch nach dem Tod des Vaters und gibt darin sehr persönliche Einblicke in die Schriftstellerfamilie, ihre Eigenheiten, Schwächen und Stärken. Darüber hinaus thematisiert Amis ausführlich den Zustand seiner Zähne, die während dieser Zeit komplett ersetzt werden mussten.

Kritikenspiegel

Eindrucksvolles Porträt

Positive Urteile wie »virtuose Lebensbeichte« (Thomas Hüetlin, Der Spiegel) oder »unendlich reizvoll« (Felicitas von Lovenberg, FAZ) bestimmen die Rezensionen zu Martin Amis' Buch, das einhellig begeisterte. »Martin Amis hat seiner Familie und seinen Freunden ein hinreißendes Denkmal gesetzt«, untertitelt Ijoma Mangold (SZ) ihren Bericht über ein Buch, dessen Leser »von der Brillanz jeder einzelnen Szene« »überrumpelt« werde. »Dieses Buch handelt vom Herzen, ... aber ist an keiner Stelle sentimental. Dazu ist es viel zu beweglich, boshaft und intelligent.« Ähnlich urteilt Sebastian Fasthuber (Der Standard): »Als große Leistung von Amis erweist sich dabei sein ... zwar tief bewegter, aber erfreulich unsentimentaler Ton ... Amis umschifft kitschige Gemeinplätze über Familienangelegenheiten großräumig.« Amis' »charakteristischer Stil«, schreibt Thomas David (NZZ), lasse das Buch »zu einer ebenso kurzweiligen wie unvergesslichen Lektüre« werden. »Die schmerzhaften Verwandlungen des Lebens wurden von Martin Amis nie eindrucksvoller beschrieben«. Er sei an »einen Ort im Innersten seiner selbst« gelangt, »an den ihn noch keiner seiner Romane geführt hat«. Für Felicitas von Lovenberg (FAZ) haben »nur wenige Autoren ... so viel zu erzählen wie Martin Amis, dem allein die Beziehung zu seinem Vater Stoff für mehrere Bücher bieten würde«. Die Passagen über Amis' Zahnprobleme »gehören zu den funkelndsten des ganzen Buches«. »Amis weigert sich konsequent, ,die' Geschichte seines Lebens zu erzählen. Indem er Puzzleteile hervorholt, betrachtet und liebevoll ausbreitet, überläßt er es dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen.« Ihr Fazit: »Glänzende Unterhaltung auf stilistisch durchweg höchstem und menschlich bisweilen mittlerem, also unterhaltsamstem Niveau.«

Biografisches

Martin Amis

*25.08.1949 in Oxford, Großbritannien, zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellern der englischen Literatur. Der Sohn des berühmten Autoren Kingsley Amis, der dem Talent seines Sohnes eher geringe Beachtung schenkte, studierte am Exeter College in Oxford Englisch und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen. 1973 erschien sein erster Roman, »Das Rachel-Tagebuch«, der mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet wurde. Zu seinen besten Büchern zählt »Money« (1984, bisher nicht auf Deutsch erschienen). Vor allem in den 1980er Jahren begründete Amis seinen Ruf als innovativer und einflussreicher Autor. Es folgte eine weniger erfolgreiche Phase, aus der er sich unter anderem mit »Die Hauptsachen« (in England 1999 erschienen) befreien konnte. Sein aktuellstes Buch ist »Yellow Dog« (2003).

Ähnliche Werke

Wo Martin Amis und seine Bücher genannt werden, sind mehrere andere Autorennamen nicht weit. Mit verschiedenen Schriftstellern verbindet ihn über die Arbeit hinaus eine private Freundschaft, so wie im Fall von Julian Barnes (z.B. »Darüber reden«, 1999). Das Zerbrechen dieser Freundschaft schildert Amis in »Die Hauptsachen«. Häufig wird er auch in einer Reihe mit Ian McEwan (z.B. »Saturday«, 2005) oder Salman Rushdie (z.B. »Die satanischen Verse«, 1988) genannt. Zu Amis' eigenen literarischen Vorbildern, denen er in »Die Hauptsachen« huldigt, zählen sein väterlicher Freund Saul Bellow (z.B. »Herzog«, 1965) und Vladimir Nabokov, der mit seinem Roman »Lolita« (1955) Weltruhm erlangte. Martin Amis' Vater Kingsley wurde mit seinem ersten Roman »Glück für Jim« (1954) bekannt.

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