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Staatsoper Unter den Linden
Unter den Linden 7
10117 Berlin
Kartentelefon
+49(0)30 - 20354438
| Titel | Boris Godunov |
|---|---|
| Komponist | Modest Mussorgski |
| Libretto | Modest Mussorgski (nach Alexandr S. Puschkin und Nikolai M. Karamsin) |
| Musikalische Leitung | Daniel Barenboim |
| Inszenierung | Dmitri Tcherniakov |
| Bühnenbild | Dmitri Tcherniakov |
| Kostüm | Mariya Danilova |
| Besetzung | René Pape, Raimonds Gravelis, Sylvia Schwart, Rosemarie Lang, Stephan Rügamer, Alfredo Daza, Alexander Vinogradow, Burkhard Fritz, Maxim Mikhailov, Peter Menzel, Pavol Breslik |
| Termine | 11./14./18./22./27./30. Dezember 2005 |
Inhalt
Tyrannentod
Aufstieg und Fall des russischen Zaren Boris Godunov macht Modest Mussorgski zum Gegenstand seiner Oper. Dieser ist durch Mord an die Macht gekommen, gerät jedoch nach Aufdeckung seiner Intrige zunehmend unter Druck. Zwei Mönche schicken sich an, den vom Volk ungeliebten Zaren vom Thron zu stoßen. Unentwegt von den Bildern des Ermordeten heimgesucht, stirbt er dem Wahnsinn verfallen. René Pape gibt unter der musikalischen Leitung Daniel Barenboims und in der Regie Dmitri Tcherniakovs sein Debüt in der Rolle des von Mussorgski zum Prototyp russischer Herrschaft erhobenen Boris.
Besonderheit
Eine Frage der Fassung
»Boris Godunov« ist ein kompositorischer Torso. Mussorgski arbeitete zwischen 1868 und 1874 an der Oper, schuf zunächst eine Fassung aus vier Teilen und sieben Bildern und ergänzte später den so genannten »Polenakt« um den geflüchteten Grigorij. Nach der Uraufführung bearbeitete Nikolai Rimsky-Korsakow die Partitur und orchestrierte das Werk komplett um. 1940 wiederum instrumentierte Dimitri Schostakowitsch den »Boris« neu und legte damit die heute zumeist gespielte Fassung vor. In Berlin hingegen entschied man sich für den »Ur-Boris« von 1874.
Kritikenspiegel
Der Abend René Papes
Die Kritik ist sich einig. Es war der Abend von René Pape in der Rolle des Boris Godunov. Manuel Brug (Die Welt) schwärmt: »Sein Boris strömt voll, nicht erzern, eher mahagonifarben, agil und intelligent um eine menschliche Politik kämpfend, die doch auf Blut gebaut ist. Sein Scheitern, sein Verdämmern, die Phantome, die ihn vom Thron jagen, das inszeniert er, singt er mühelos und doch bewegend, um und mit sich selbst. Er hat Aura, Größe, Tragik.« Er singe - so Niklaus Hablützel (taz) - »beherrscht in jeder Phrase, als gehöre das eigene Gefühl nicht ihm, sondern einem größeren, transzendentalem Ganzen.« Mehr noch: er ist laut Georg-Friedrich Kühn (FR) »ein Boris wie man sich ihn nur wünschen kann mit seinem so sonor wie dramatisch geführten Bass«, schlichtweg - so Eleonore Büning (FAZ) - die »größte Sensation des Abends«. Doch auch das Orchester leistet in den Worten Peter Hagmanns (NZZ) »Unerhörtes«: »Messerscharf werden die Töne bisweilen angeschnitten, krass die Farben herausgestellt und kompromisslos die Lineaturen nachgezeichnet; Vitalität und Emotionalität der Musik Mussorgskys treten ... ungestüm ans Licht.« Einzig an der Regiearbeit Dmitri Tcherniakovs scheiden sich die Geister. Jörg Königsdorf (SZ) hält sie in ihrem »plattesten Naturalismus« voll »hohler Opernposen« für klischeehaft und uninspiriert. Manuel Brug (Die Welt) bemängelt eine flache Personenführung und fühlt sich an »deutsches Regietheater von vor zwanzig Jahren« erinnert. Elenore Büning (FAZ) hingegen sieht in dem Verzicht auf »Russenfolklore« die Chance angelegt, »die wesentlichen Aussagen ... wieder ins Blickfeld zu rücken«, und Peter Hagmann (NZZ) erkennt eine »ebenso stringente wie anregende szenische Deutung des Stücks«, die zeigt, »was Oper im besten Fall vermag«.
Biografisches
René Pape
*1964 in Dresden, ist gegenwärtig wohl der ungekrönte König der international agierenden Opernbassisten. Nach dem Studium als »bedingt solistsch einsetzbar« eingestuft, erhielt das ehemalige Mitglied des Dresdner Kreuzchores 1988 dennoch ein Engagement beim Ensemble der Berliner Staatsoper, dem er bis heute angehört. Gefördert durch die Grande Dame der deutschen Opernregie Ruth Berghaus sowie die Dirigenten Georg Solti, Daniel Barenboim und James Levine, avancierte Pape schnell zu einem der gefragtesten Interpreten vornehmlich des deutschen Faches. Bereits 1994 debütierte er als Fasolt in Bayreuth, im Folgejahr sang er den Sarastro bei den Salzburger Festspielen. An seinem Stammhaus in Berlin verkörperte er mit König Marke, Pogner, Hunding und Gurnemanz vor allem Figuren Richard Wagners. Pape ist gern gesehener Gast an sämtlichen großen Opernbühnen von Mailand bis New York. Im Jahr 2000 wurde ihm der Ehrentitel des Berliner Kammersängers verliehen.
Ähnliche Werke
Auch in »Chowanschtschina« (1872-1880) wendet sich Mussorgski einem historischen Stoff zu und versucht ihn als Gleichnis für allgemeine Funktionsmechanismen der russischen Gesellschaft in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Die von ihm als »Musikalisches Volksdrama« betitelte Oper thematisiert die blutige Niederschlagung eines unter der Führung von Iwan Chowanski stehenden Aufstandes der zaristischen Palastgarde durch Peter den Großen. Auch diese Oper hat Mussorgski fragmentarisch hinterlassen. Gleiches gilt zudem für »Salambô« (1863-1866), »Die Heirat« (1868) und den »Jahrmarkt von Sorotschny« (1874-1880) und damit für alle Bühnenwerke des Komponisten.



