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| Titel | Die Schönheitslinie |
|---|---|
| Autor | Alan Hollinghurst |
| Übersetzer | Thomas Stegers |
| Genre | Belletristik |
| Verlag | Blessing Verlag |
| Seiten | 576 |
| ISBN | 3-89667-282-7 |
| Preis | 22,90 Euro |
Inhalt
Aufstieg und Fall eines Ästheten
Nick Guest, mit 20 Jahren aus der Provinz nach London gezogen, sucht den gesellschaftlichen Aufstieg. Der Student kommt bei der Familie des Tory-Abgeordneten Fedden unter und wird nach und nach zum vollwertigen Familienmitglied. Eigentlich soll sich Nick um die manisch-depressive Tochter kümmern, ist jedoch nur mit sich selbst beschäftigt. Er taucht sowohl in die Londoner High Society als auch in die Schwulenszene ein und genießt die Welt des schönen Scheins. Doch seine homosexuelle Beziehung zu einem Konservativen fliegt auf und endet mit Nicks Rauswurf bei den Feddens.
Besonderheit
Allgegenwart Thatchers
Hollinghursts Roman spielt zwischen 1983 und 1987 und somit in der Hochphase der »Eisernen Lady« nach deren Wiederwahl. Mit satirischem Blick beleuchtet Hollinghurst die Welt einer Tory-Familie, deren Leben darauf ausgerichtet ist, die Premierministerin einmal im eigenen Heim zu empfangen. Auch die Hauptfigur Nick weckt mit ihrer Unehrlichkeit und dem unbedingten Aufstiegswillen kaum Sympathien. Insgesamt ist »Die Schönheitslinie« ein Buch über Doppelmoral, Klassenunterschiede und das Aufkommen von AIDS, in dem der Autor zu all seinen Figuren eine merkliche Distanz bewahrt.
Kritikenspiegel
Ironisch und psychologisch brillant
Eine scharfsinnige Gesellschaftssatire, finden die Kritiker. Allerdings vermögen sich nicht alle mit der distanzierten Erzählweise des Autors anzufreunden. Man könne das Buch »mit Fug und Recht als den großen englischen Roman über die Ära Thatcher« bezeichnen, so Felicitas von Lovenberg (FAZ). Es falle aber in den ersten zwei Dritteln schwer, »den Roman nicht nur zu schätzen, sondern auch zu mögen«. Erst im letzten Drittel »wird der Ton dringlicher, nimmt Hollinghurst endlich Anteil am Schicksal seiner Figuren«. Jens Bisky (SZ) hingegen lobt die Distanz, die der Autor zu seinen Figuren behält. Es sei ein Roman, »dem das Kunststück gelingt, mit dem kalten Blick des Geschmacksrichters Wärme und Nähe zu erzeugen«. Er kommt zu dem Schluss, dass »Romane von solcher Vollkommenheit ... so selten wie alles Schöne« seien. Joachim Kronsbein (Der Spiegel) spricht von einem »hoch literarischen Sittengemälde mit unvergesslichen, tragischen Figuren«. Udo Taubitz (NZZ), der Hollinghurst als »beobachtungsstarken Phantast« bezeichnet, bemängelt, dass das bildungsbürgerliche Ideal unangetastet bleibt. »Dass Hollingshursts Prosa gespickt ist mit Verweisen auf andere Literaten, mit Architekturgeschichte und Kunstphilosophie, mag manche Leser (über)anstrengen.« Wie Oscar Wilde gerate Hollinghurst »zuweilen ins Schwärmen und Schwätzen«, schreibt Adriano Sack (WamS). Insgesamt sei dem Autor »eine maliziöse, mal derbe, mal flirrende Gesellschaftsfarce gelungen, in der man jedem der Anwesenden sein Unglück gönnt, aber doch sagenhaft gespannt ist, wie es weitergeht«. Felicitas von Lovenberg (FAZ) wirft Hollinghurst schließlich vor, »in seiner Absicht, Dekadenz, Eitelkeit und Selbstgefälligkeit ... zu decouvrieren« nicht verhindern zu können, »immer wieder auch selbst in diese Untugenden zu verfallen.«
Biografisches
Alan Hollinghurst
*26.05.1954 in Stroud, England, zählt zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren Großbritanniens. Er studierte Anglistik in Oxford und wurde anschließend Herausgeber einer literarischen Rätselzeitschrift. Von 1982 bis 1995 arbeitete er als Literaturkritiker bei der Times. Seine erste Veröffentlichung war 1982 eine Gedichtsammlung unter dem Titel »Confidential Chat with Boys« (noch nicht auf Deutsch erschienen). 1988 erschien schließlich sein erster Roman, »Die Schwimmbadbibliothek«, die ihn schlagartig berühmt werden ließ. 1994 gelangte er mit seinem Roman »The Folding Star« (noch nicht auf Deutsch erschienen) erstmals auf die Shortlist für den Bookerpreis. Für »Die Schönheitslinie« hat er diesen nun erhalten. Hollinghursts Bücher waren wegen seiner expliziten Beschreibung homoerotischer Sexualität lange Zeit umstritten.
Ähnliche Werke
Neben Margaret Thatcher ist der Autor Henry James allgegenwärtig. Nick Guest, der das Werk des amerikanischen Schriftstellers studiert hat, redet und denkt in James-Zitaten. Hinter der geschliffenen Sprache der Jahrhundertwende beabsichtigt der Protagonist seine kleinbürgerliche Herkunft zu verbergen. Doch nicht nur seine Figur lässt Hollinghurst sich an historischen Vorbildern orientieren. Auch sein eigener Blick auf die Gesellschaft erinnert an Henry James, Francis Scott Fitzgerald oder Oscar Wilde. »Die Schönheitslinie« wird auch mit Evelyn Waughs »Wiedersehen mit Brideshead« verglichen. Auch darin gerät ein Aufsteiger in den Bann einer einflussreichen Familie, hat aber anders als Nick Guest einen pessimistischeren Blick auf die Welt.
jb



