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| Titel | Merry Christmas |
|---|---|
| Regie | Christian Carion |
| Drehbuch | Christian Carion |
| Darsteller | Guillaume Canet, Daniel Brühl, Gary Lewis, Dany Boon |
| Verleih | Senator Film Verleih |
| FSK | ab 12 Jahren |
| Länge | 115 Minuten |
| Filmstart | 24. November 2005 |
Inhalt
Spontaner Frieden
Weihnachten 1914 an der Westfront: Seit Monaten stehen sich französische, englische und deutsche Truppen in einem mörderischen Kampf gegenüber. Unter ihnen ist auch der Berliner Tenor Nikolaus Sprink (Benno Fürmann). Als dieser, unterstützt von seiner Geliebten, der Sopranistin Anna (Diane Krüger), im Schützengraben »Stille Nacht« anstimmt, kommt es zu spontanen Verbrüderungsszenen zwischen den verfeindeten Soldaten: Man vereinbart eine Waffenruhe, trifft sich im Niemandsland, begräbt die Toten, feiert zusammen Weihnachten und spielt eine Runde Fußball.
Besonderheit
Eine wahre Begebenheit
Das »Wunder an der Westfront« hat 1914, so weiß man aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefen, tatsächlich stattgefunden. Der spontane Weihnachtsfrieden begann an einem Frontabschnitt zwischen Basseville und St. Yvon, an dem Soldaten durch Zurufen eine Feuerpause verabredeten, und breitete sich schnell auf die gesamte Westfront aus. Treffen im Niemandsland, gemeinsames Singen und Fußballspiele sind verbürgt. Während englische Zeitungen schon damals von einem Wunder sprachen, wurden die Vorgänge in Deutschland und Frankreich von offizieller Seite verheimlicht.
Kritikenspiegel
Überwiegend Verdruss
Bis auf eine Ausnahme erhält der Film schlechte Kritiken. Fritz Göttler (SZ) ist der einzige der eindeutig lobende Worte findet. Für ihn ist der Film »ein Melodram, das sich als Melodram stark zurücknimmt«. Regisseur Carion habe den »Stoff ganz zurückhaltend inszeniert«, was »'Merry Christmas' so sympathisch« mache. »Die Veroperung der Front«, so Göttler weiter, »macht die Obszönität des Krieges auf bizarre Weise deutlich«. Der NDR-Kulturreport sieht zwar »zuweilen rührseliges Unterhaltungskino«, findet den Film aber an jenen Stellen ergreifend, »wo er der schlichten Wahrheit des Unglaublichen vertraut«. Ganz anders sieht dies jedoch Andreas Kilb (FAZ): »Benno Fürmann, der mit brennendem Tannenbaum durchs Niemandsland läuft und 'Adeste fideles' schmettert, ist ein Kitschbild zum Ausschneiden, ebenso wie Diane Krüger als Schmerzensmadonna im Purpurkleid zwischen den Soldatengräbern.« Den Film regiere »ein Blick ohne Halt und Moral, ... ein Inszenierungswille, der ängstlich nach dem politisch Korrekten schielt, statt sich ans menschlich Schlichte zu halten«. Hans-Georg Rodek (Die Welt) knüpft hieran nahtlos an: Carion schwanke zwischen »Verharmlosung, Sachlichkeit und Pathos« und stürze endgültig ab mit dem Auftritt Diane Krügers, »dieser heiligen Jungfrau Maria mit ihrem güldenen Haar und dem roten Samtumhang, die im Playback-Sopran 'Ave Maria' intoniert«. Man wünsche sich einzig, »Diane Krüger würde den Mund schließen«. Zudem beklagt er die »brav zugeteilten Klischees« und die »Zurschaustellung von Makellosigkeit«, die den Film »wirklich schwer erträglich« mache. Rodeks Fazit: »'Merry Christmas' ... kommt so abgeschliffen daher wie das Kommuniqué eines EU-Ausschusses nach dreimonatiger Tagung.«
Biografisches
Christian Carion
*04. Januar 1963 in Cambrai, Frankreich, gilt als möglicher neuer Regie-Star in Frankreich. Der Sohn eines Bauern interessierte sich schon seit dem Kindesalter für Film, studierte seinen Eltern zuliebe jedoch Landwirtschaft. Nach dem Studium drehte er mit einer Videokamera kleinere Filme und lernte den angehenden Produzenten Christophe Rossignon kennen. Schließlich brachte Christian Carion im Jahr 2001 mit Christophe Rossignon als Produzent seinen ersten Spielfilm »Eine Schwalbe macht den Sommer« in die Kinos. Über zwei Millionen Kinobesucher sahen in Frankreich den Film, Carion wurde durch diesen Erfolg schlagartig berühmt. »Merry Christmas« erwies sich in Frankreich ebenfalls als kommerzieller Erfolg und wird die französische Bewerbung für den Oscar 2006 sein.
Ähnliche Werke
Der Erste Weltkrieg, die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«, ist permanent Gegenstand von Literatur und Kino. Schon 1930 führte Lewis Milestone Regie in der Verfilmung von Erich Maria Remarques Roman »Im Westen nichts Neues«, der ein Jahr zuvor erschienen war. Das Buch, das den Frontalltag eines einfachen Soldaten beschreibt, zählt zu den herausragenden literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. 1957 drehte Stanley Kubrick »Wege zum Ruhm«, der den Krieg in schonungsloser Härte darstellt. Zuletzt sorgte Jean-Pierre Jeunet mit »Mathilde - Eine große Liebe« (2004) für Aufsehen, der eine Liebesgeschichte mit dem grausamen Geschehen des Ersten Weltkriegs verbindet. 2003 rief Michael Jürgs mit seinem Buch »Der kleine Frieden im Großen Krieg« den Deutschen die beinahe vergessenen Umstände des »Wunders an der Westfront« ins Gedächtnis.
rg



