18. November 2005 Ausgabe 46/2005 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kunst & Ausstellung

»Max Bill. Eine Retrospektive«

Das Kunstmuseum Stuttgart widmet dem Schweizer Universalkünstler eine Ausstellung

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  Kunstmuseum Stuttgart  
© Kunstmuseum Stuttgart

 

Kunstmuseum Stuttgart

Kleiner Schlossplatz 1, 70173 Stuttgart

Künstler Max Bill
Thema Retrospektive
Läuft noch bis 8. Januar 2006
Öffnungszeiten Di, Do bis So: 10 - 18 Uhr, Mi und Fr: 10 - 21 Uhr, Mo: Geschlossen
Preise 8 Euro, 6,50 Euro ermäßigt

Inhalt

Funktion & Schönheit

Der Schweizer Künstler Max Bill versuchte zeitlebens, sein Credo »Schönheit aus Funktion und als Funktion« in verschiedenen Disziplinen umzusetzen. Im Neubau des Stuttgarter Kunstmuseums wird nun eine große Ausstellung mit Alltagsgegenständen, Bildern, Grafiken, Plastiken, Architekturentwürfen und Plakaten Max Bills präsentiert, die die Vielfalt seines Schaffens zeigt. Unter zehn Stichworten, von »Laboratorium« über »Variation« bis hin zu »Ökonomie«, werden mehr als 200 Exponate auf drei Ebenen gruppiert.

Besonderheit

Ein Universalkünstler

Max Bill, der vor allem als Designer von Alltagsgegenständen wie beispielsweise Armband- und Wanduhren, dem Ulmer Hocker oder einer Schreibmaschine bekannt ist, war zugleich Architekt, Bildhauer, Maler und Typograf. Er vertrat die Meinung, dass Schönheit das Resultat einer geistigen, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Ordnung ist und dass zwischen den Gestaltungsgrundlagen der Kunst und denen des Alltags keine prinzipiellen Unterschiede bestehen. In Stuttgart wird nun erstmals seit dem Tod Max Bills sein vielseitiges Werk umfassend ausgestellt.

Kritikenspiegel

Viele Stimmen

Vielfältig wie Bills Werk ist auch das Medienecho zur Stuttgarter Ausstellung. Es reicht von »ästhetischem Erlebnis« bis »nicht gelungen«, wenngleich die positiven Stimmen überwiegen. »Rund 70 Jahre des 20. Jahrhunderts hat dieser Künstler experimentierend begleitet ..., ohne seinem Credo von mathematisch bestimmbarer Wohlgestalt und Funktionalität untreu zu werden,« ist von Christoph Gampert im Deutschlandfunk zu hören. Er weist explizit auf das »ungemein vielfältige, in den unterschiedlichen Feldern sich bewegende Oeuvre [hin], das mit der Typographie beginnt, ... über die konkrete Malerei hinüberlappt und seine größte Konsequenz wahrscheinlich im Design erreicht«. Ursula Baus (SZ) »fällt die unglaubliche Ausdauer auf, mit der Max Bill Farbkompositionen variiert«. In der Ausstellung staunt sie »ein Mal mehr über die Vielseitigkeit des Schweizers«, wenngleich sie der Ansicht ist, dass die Stuttgarter Retrospektive »die komplexen Zusammenhänge im Werk des 'Universalkünstlers' ... kaum inszenieren« kann. »Leider ist in Stuttgart die Darstellung von Bills architektonischem Oeuvre nicht gelungen«, kritisiert Gabriele Hoffmann (FR), die besonders die »Miniaturen in einem raumfüllenden Vitrinenkasten« beklagt. Allerdings »sind die Aquarelle und Federzeichnungen, die Bill von seinen Studien im Bauhaus 1927/28 mitbrachte« laut Gabriele Hoffmann (FR) eine positive Überraschung. Von einer »perfekt gestalteten Retrospektive« ist bei Maria Becker (NZZ) zu lesen. Sie bezeichnet die Ausstellung als umso verdienstvoller, da sie »einen späten Vertreter des Bauhauses zu einem ebenso lehrhaften wie ästhetischen Erlebnis zu machen versteht«. Als Höhepunkte der Schau empfindet sie Bills »elegante und erfrischend einfache Plakatkunst [und] sein plastisches Suchen nach einem fast spirituell anmutenden Prinzip des Geometrischen«.

Biografisches

Max Bill

22.12.1908 - 9.12.1994, war ein Kind der Bauhausgeneration und Vorkämpfer der abstrakten Kunst. Während seiner Silberschmiedlehre 1924-27 an der Kunstgewerbeschule in Zürich wurde er durch einen Vortrag von Le Corbusier zum Architekturstudium inspiriert. 1927/28 studierte er am Bauhaus, der Hochschule für Gestaltung in Dessau. Anschließend zog er nach Zürich, wo er als Architekt, Maler, Grafiker, Plastiker, Produktgestalter und Publizist tätig war. 1951-56 versuchte er als geistiger Urheber, Erbauer und Rektor der Hochschule für Gestaltung in Ulm die Bauhaus-Tradition fortzusetzen. 1959 und 1964 nahm Max Bill an der documenta in Kassel teil. 1967-74 war er als Professor an der Kunstakademie Hamburg tätig. Seine vielseitigen Arbeiten sind gekennzeichnet von einer konstruktiven Klarheit und präzisen Proportion.

Bezugspunkte

Das Bauhaus (1919-1933) gilt als die bekannteste Kunst- und Designhochschule des 20. Jahrhunderts. Walter Gropius gegründete das Bauhaus mit dem Ziel, »alle werkkünstlerischen Disziplinen...zu einer neuen Baukunst« wieder zu vereinen. Im Bauhaus sollten Gestalter ausgebildet werden, die sowohl handwerkliches als auch künstlerisches Wissen in einer Person vereinen. Das Bauhaus hat entscheidend dazu beigetragen, im Bereich der Architektur, der Gestaltung von Alltagsgegenständen und der Werbegrafik eine neue sachliche Formensprache zu entwickeln, die sich bis in unsere Gegenwart auswirkt. Darüber hinaus zählt das Dessauer Bauhaus-Gebäude, in dem Max Bill 1927-28 u.a. bei Paul Klee und Wassily Kandinsky studierte, zu den Schlüsselwerken der Moderne in Europa, das seit 1996 auf der UNESCO- Weltkulturerbeliste steht.

sd