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Deutsches Theater
Schumannstraße 13a
10117 Berlin
Kartentelefon
+49(0)30 - 28441225
| Titel | Faust. Der Tragödie zweiter Teil |
|---|---|
| Autor | Johann Wolfgang von Goethe |
| Regie | Michael Thalheimer |
| Bühnenbild | Olaf Altmann |
| Kostüm | Michaela Barth |
| Darsteller | Nina Hoss, Inge Keller, Regine Zimmermann, Michael Gerber, Ingo Hülsmann, Jürgen Hutz, Ole Lagerpusch, Horst Lebinsky, Sven Lehmann, Peter Pagel, Henning Vogt |
| Termine | 07./22./23./30. Oktober, 01./02./19./20. November 2005 |
Inhalt
Der Tragödie Zweiter Teil
Im zweiten Teil von Goethes Klassiker erwacht Faust als von seelischer Zerrüttung Genesener aus dem Schlaf des Vergessens. In Begleitung Mephistos durchwandert er verschiedene Szenerien, deren Handlung drei Jahrtausende umfasst. Er begegnet der schönen Helena, die ihm einen Sohn, Euphorion, gebiert, der augenblicklich altert und kurz darauf stirbt. Goethes Tragödie ist reich an Mythologie, Symbolen sowie Allegorien und gilt durch ihren Bilderreichtum, die mächtige Handlung, ihre Länge und Dichte als fast unspielbar.
Besonderheit
Das Wort
Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von »Faust I« bringt Michael Thalheimer nun den zweiten Teil des Klassikers auf die Bühne am Deutschen Theater Berlin. Er hat das Stück radikal gekürzt und verdichtet: Seine Aufführung dauert lediglich zwei Stunden. Dabei lässt er vor allem das Wort sprechen. Viele Szenen werden nur über die Darsteller erlebbar gemacht, in ihrem Spiel und dem Text. Das Bühnenbild ist reduziert und um eine Art Guckkastenpodest herum gebaut, von dem aus Faust die Szenen in Worten durchwandert.
Kritikenspiegel
Zerpflückt oder verdichtet?
Die Kritiker scheinen uneinig: Hat Thalheimers Adaption des »Faust II« nun das Stück seiner Seele beraubt oder das Wesentliche herausgeschält? Bert Rebhandl (Standard) bedauert, dass Thalheimer den zweiten Teil »nun so radikal beim Text [nehme], dass das Stück beinahe verschwindet«. Dabei entstehe eine »Kluft zwischen dem Schauspieler und dem Text, die nicht mehr zu schließen ist«. Matthias Heine (Die Welt) bescheinigt der Inszenierung immerhin Potenzial und gute Momente, in denen man merke, »wie groß die Aufführung hätte werden können, wenn man ihr eine Stunde mehr gegönnt hätte. ... Dieser fettreduzierte und koffeinfreie 'Faust' ... hinterläßt ein poetisches Hungergefühl.« Dass aber gerade die Reduktion des Stücks diesem eine einheitliche Lesart gebe, glaubt Katrin Bettina Müller (taz). Thalheimer zeige die Aktualität des Stückes und lasse die »Überforderung des Lesers/Zuschauers« durch den Ursprungstext vergessen. Ebenso sieht Christoph Funke (NZZ) in der Kurzfassung die Stärke der Aufführung begründet: »Aus dem verkürzten Text heraus öffnen sich geradezu zwanghaft weite Räume für Assoziationen, die Sparsamkeit schlägt um in Reichtum, wenn man sich auf das Spiel der Gedanken, nicht der Sinne, einlässt.« Auch das Spiel des Ensembles zeige eine »gestische Disziplin, die den Atem verschlägt«. Till Briegleb (SZ) lobt, wie übrigens alle Rezensenten, die Leistung der Schauspieler. In der Rolle als Mephisto, diesem »verwirrenden Charakter, dem weder Mitgefühl noch Grausamkeit fremd ist«, sei »Sven Lehmann absolut brillant«. Und Irene Bazinger (FAZ) schreibt, sie habe eine »wahrhaft große Inszenierung« gesehen, dargestellt »als grandioses Endspiel, in dem es keine Gewinner gibt«.
Biografisches
Michael Thalheimer
*1965 bei Frankfurt am Main, ist Theaterregisseur und seit dieser Spielzeit Leitender Regisseur am Deutschen Theater Berlin. Zunächst studierte er in Bern Schauspiel. Es folgten verschiedene Engagements an deutschsprachigen Theatern. Bereits mit seiner ersten eigenen Inszenierung 1997 in Chemnitz (»Der Architekt und der Kaiser von Assyrien«) machte er renommierte Theater auf sich aufmerksam. Der Durchbruch an großen Häusern gelang Thalheimer 2000 mit »Liliom« (Ferenc Molnár) am Thalia Theater Hamburg, wo er weiterhin regelmäßig inszeniert, und mit »Das Fest« (nach Thomas Vinterbergs Dogma-Film) am Schauspiel Dresden. Thalheimer ist ebenso bekannt für die Radikalität und Musikalität seiner Inszenierungen wie dafür, die Stücke auf ihren Kern zu verdichten.
Ähnliche Werke
Mit der Inszenierung von »Faust II« wagt sich Michael Thalheimer auf nicht ganz unbekanntes Terrain. Im Oktober 2004 hatte seine von Kritikern wie Publikum gefeierte Inszenierung des »Faust I« am Deutschen Theater Berlin Premiere. Das Stück ist weiterhin im Programm. Thalheimer ist zudem u.a. mit Lessings »Emilia Galotti« vertreten. Im Jahr 2000 präsentierte Peter Stein auf der Expo Hannover seine viel beachtete Faust-Adaption. Die ungekürzte Aufführung beider Teile dauerte insgesamt 21 Stunden. Bruno Ganz war in der Rolle des (alten) Faust zu sehen. Eine der wohl bedeutendsten Inszenierungen des »Faust« (Erster Teil) ist die von Gustaf Gründgens, die 1954 auch als »Sprechplatte« erschien und die Gründgens 1960 für den Film adaptierte. Er selbst spielt den Mephisto, Will Quadflieg den Faust.



