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| Titel | Bchsenlicht |
|---|---|
| Autorin | Svenja Leibert |
| Genre | Erzhlungen |
| Verlag | Ammann Verlag |
| Genre | Erzhlungen |
| Seiten | 160 |
| ISBN | 3-250-60081-4 |
| Preis | 17,90 Euro |
Inhalt
Antiheimatliteratur
»Büchsenlicht«: im Jägerjargon die Zeit der Dämmerung, die gerade ausreichend Licht für einen treffsicheren Schuss bietet. Gewalt ist auch die Atmosphäre, in die Leiber ihre Erzählungen aus der norddeutschen Provinz taucht. So treibt etwa in der Erzählung »Eckeneckepen« ein Feuerteufel sein Unwesen, »Raschpichler« erzählt von einer Ehe, die auf einem Missverständnis beruht und in der Hochzeitsnacht in einer brutalen Vereinigung mündet. In 13 Erzählungen zeigt Leiber die Dramen, die sich hinter den bäuerlichen Fassaden abspielen.
Besonderheit
Lakonischer Erzählton
Die Erzählungen präsentieren Biografien vom Lande, die sich wechselseitig beleuchten und lose miteinander verknüpfen. Sie alle handeln von Leere, Langeweile, Gewalt und Sexualität. Die Ödnis auf dem Lande, so legen es die Erzählungen nahe, ist für ihre Bewohner eine existentielle Prüfung. Der Erzählton Leibers ist wortkarg und treffend zugleich, die Dialoge sind spärlich, Szenarien werden mit wenigen Worten schroff skizziert. Leiber erklärt dabei nicht, sie stellt dar.
Kritikenspiegel
Beeindruckendes Debüt
»Büchsenlicht« wird von der Kritik als ein Debüt begrüßt, das in der Motivwahl, vor allem aber auch sprachlich beeindruckt. In den Erzählungen Leibers hat Rainer Moritz (NZZ) ein fast schon verloren geglaubtes Genre wieder entdeckt: »Wo alles in den Sog der Globalisierung gerät und wo junge Autoren ihre Figuren gerne lässig in grossstädtische Landschaften platzieren, scheint das Genre der Provinzprosa vom Aussterben bedroht«, befürchtet Moritz. Leibers Prosadebüt belehre den Leser eines Besseren und stehe in der Tradition einer »Antiheimatliteratur«. Das Höllenszenario, das die Erzählungen bisweilen evozieren, finde ein Gegengewicht in der Sprache: »Die Überraschungselemente, die Svenja Leibers Sprache immer wieder bereithält, verhindern ein Abgleiten ins Klischeehafte.« Das stilistische Können der Autorin bewundert auch Friedhelm Rathjen (FR): »Die Lücken, die Leere, die Kälte: all das fängt Svenja Leiber mit ihrer raffiniert und ungekünstelten Sprache ein, die so direkt ist wie das Beil, das ein jähzorniger Familienvater in den Küchentisch haut, voller Bedauern, statt des Tisches nicht seinen Schwager erwischt zu haben.« Anspielungsreich, bisweilen sperrig, aber immer treffend sei die Sprache Leibers, meint Jan Brandt (taz): »Sie gibt Hinweise, macht Andeutungen und benutzt Begriffe, die wie Widerhaken wirken, Wörter, über die man stolpert, weil sie so schön und treffend sind und angesichts der Brutalität der Figuren so verstörend und gemein.« Einen ganz neuen Erzählton hat hingegen Christoph Bartmann (SZ) vernommen: »Nicht lakonisch, sondern lyrisch, nicht aussparend, sondern blühend.« Gemessen am populären ästhetischen Ideal der Wortkargheit, sei dies ein Gewinn, urteilt Bartmann.
Biografisches
Svenja Leiber
*1975 in Hamburg, wuchs in der Nähe von Lübeck auf. Sie studiert Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin und ist nebenher als Kunstführerin tätig. Mit dem Erzählband »Büchsenlicht« debütierte Leiber 2005. Darin ist erstmals auch ihre Erzählung »Eckeneckepen« abgedruckt, für die die Jungautorin 2003 den Literaturpreis Prenzlauer Berg erhielt.
Ähnliche Werke
Als Reaktion auf die zunehmende Verstädterung und Industrialisierung entdeckte die Literatur bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Provinz. Bekannt für ihre Dorfgeschichten mit sozialkritischen Anklängen sind die Autoren Gottfried Keller, Adalbert Stifter und Theodor Storm. Durchweg negativ zeichnet der Österreicher Thomas Bernhard Land und -bewohner in Romanen wie »Frost« (1963) und »Auslöschung« (1986) und verkehrt damit den Topos der Heimatidylle in sein Gegenteil.



