29. Juli 2005 Ausgabe 30/2005 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kunst & Ausstellung

Goya - Prophet der Moderne

Ein einzigartiges Kunsterlebnis in Berlin

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  Francisco de Goya, HEXENFLUG 1797/98; Museo Nacional del Prado  
© Francisco de Goya, HEXENFLUG 1797/98
Museo Nacional del Prado

 

Alte Nationalgalerie

Bodestraße 1-3

10178 Berlin

Kartentelefon
030 - 2090 5801

Künstler Francisco de Goya
Titel Goya - Prophet der Moderne
Epoche Barock
Kurator Dr. Moritz Wullen
Veranstalter Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, des Kunsthistorischen Museums Wien in Kooperation mit dem Museo del Prado.
Läuft noch bis 03. Oktober 2005
Öffnungszeiten Di. u. Mi. 09-18 Uhr,
Do, Fr. und Sa. 10-22 Uhr,
So 10-20 Uhr
Preise 10 Euro/5 Euro ermäßigt
Katalog Alle ausgestellten Werke farbig abgebildet, 355 Seiten
Preis Katalog 20 Euro im Museum

Inhalt

Wahnsinn, Mord und Lust

Die Alte Nationalgalerie in Berlin zeigt in ihrer Goya-Ausstellung rund 70 Gemälde, 40 Zeichnungen und 30 Grafiken. In den großen Sälen sind repräsentative Werke des Auftragsmalers, z.B. die Tapisserie »Der Hampelmann« (1791) und das Portrait »König Karl IV« (1789), zu sehen. Die umliegenden Kabinette beherbergen die Welt des Kritikers und Dissidenten: Kannibalen, Hexen, Mischwesen und Kranke. Neben dem berühmten Gemälde »Hexenflug« (1797/98) sind auch die »Caprichos« (1797/99) und der Stierkampf-Zyklus (1824/25) ausgestellt. 

Besonderheit

Eine museumspolitische Sensation

Erstmals wird Goya mit einer umfassenden Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum gewürdigt. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem das grafische Werk des bedeutenden spanischen Künstlers gezeigt wurde, erhält der Besucher in Berlin einen Einblick in das heterogene Werk Goyas. Zehn Jahre lang wurde die Ausstellung, die nur in Kooperation mit dem Prado Madrid (als Hauptleihgeber) und dem Kunsthistorischen Museum Wien möglich war, vorbereitet. Viele der ausgestellten Werke wurden noch nie außerhalb Spaniens gezeigt.

Kritikenspiegel

Das Kunstereignis des Jahres

Die Goya-Schau in Berlin stößt auf große Begeisterung, selten waren sich die Kritiker in ihrer Bewertung so einig. Die Ausstellung ist »das Kunstereignis des Jahres«, schreibt Holger Liebs (SZ). »Goya schildert, wie phantastisch oder geheimnisvoll auch immer, allein die Regungen des menschlichen Individuums, des modernen Menschen.« Und Ulrich Clewig ergänzt in der Frankfurter Rundschau: »ohne Frage ein epochales Ereignis«. »Obwohl schließlich die großen Meisterwerke doch daheim geblieben sind,... stehen wir nun vor einer Ausstellung, die zumindest für hiesige Augen viele Überraschungen bietet«, resümiert Hanno Rauterberg (Die Zeit). »Wohl kaum ein Ausstellungsprojekt ist schwieriger auf die Füße zu stellen als eine Goya-Schau«, schreibt Gabriela Walde (Die Welt) begeistert. »Die Räume der Alten Nationalgalerie und Goyas Bilder finden sich in unaufdringlicher Dramaturgie, als wären sie füreinander bestimmt«, schwärmt Claudia Schwartz (NZZ). Allein der Titel der Ausstellung (»Prophet der Moderne») wird gelegentlich kritisiert. Niklas Maak (FAZ) gibt zu Bedenken, dass »sich in der Schau ein einzigartiges Spektrum von Schreckensvisionen und Hoffnungen« offenbare, »das mit dem Begriff des Modernen allein kaum zu fassen ist«. Auch Holger Liebs (SZ) spricht von »einem zutiefst im späten 18. Jahrhundert verhafteten Bilderkosmos«. »Unter dem so wohlfeilen wie nichts sagenden Motto« entfalte »sich das Werk des spanischen Meisters wie von selbst als faszinierende Schule des Sehens«, bilanziert Claudia Schwartz (NZZ). Trotz einiger Skepsis sind für Gabriela Walde wie für viele andere Rezensenten im Werk Goyas »in gewisser Weise ... die Keimlinge der Moderne gelegt.»

Biografisches

Francisco José de Goya y Lucientes

*30.03.1746 in Fuendetodos, Spanien, zählt zu den wichtigsten spanischen Künstlern. Er gilt als Vorläufer verschiedener Kunststile, unter anderen von Realismus, Impressionismus, Surrealismus sowie als erster Bildreporter und Comiczeichner. Nach einer Malerlehre bei einem Schüler von Giordianos, entwirft Goya in der Königlichen Gobelinfabrik Vorlagen für Bildteppiche. 1780 wird er Mitglied der Academia. 1786 avanciert er zum gefragten Portraitisten der Aristokratie und drei Jahre später zum Hofmaler. 1792 erkrankt er schwer und wird taub. Anschließend wir er, vor allem in seinen berühmten Grafikserien, zum scharfen Beobachter und Kritiker. Am 16.04.1828 stirbt Goya im Exil in Bordeaux.

Ähnliche Werke

Neben Goya gilt Diego Rodriguez de Silva y Velázquez, der 1599 in Sevilla geboren wurde, als bedeutendster spanischer Künstler. Er ist bekannt für sein besonderes Kolorit, seine Personen und Gegenstände erscheinen oft in einem grausilbernen Licht. Zu seinen wichtigsten Werken zählen »Papst Innozenz X.« (1649-1650) und »Las Meninas« (1656). Wenn man sich die Formensprache der »Caprichos« oder auch des »Hexenfluges« von Goya anschaut, kann man Parallelen zu Hieronymus Bosch finden. Bosch wurde um 1450 geboren und ist insbesondere durch sein »Narrenschiff«, ein grotesk-spukhaftes Trinkgelage, und den »Garten der Lüste« (1503/04), der eine phantastische Gegenwelt zum konventionellen christlichen Kosmos enthält, bekannt. Die Goya-Ausstellung in Berlin selbst ist als Event vergleichbar mit der MoMA-Schau im letzten Jahr.

sd